Friedhöfe in Graz: Zentralfriedhof, St. Leonhard und die übrigen
Graz hat 14 Friedhöfe, und fast alle gehören nicht der Stadt. Wo sie liegen, wer sie verwaltet, wo Tegetthoff und Jochen Rindt begraben sind und wann zu Allerheiligen die Gräber gesegnet werden.
14 Friedhöfe, und kaum einer gehört der Stadt
Im Grazer Stadtgebiet liegen 14 Friedhöfe. Wer zum ersten Mal ein Grab sucht oder eine Grabstelle verlängern muss, stolpert schnell über eine Grazer Besonderheit: Die Stadt hat mit ihren Friedhöfen nur indirekt zu tun. Die drei großen innerstädtischen Friedhöfe, Zentralfriedhof, St. Peter Stadtfriedhof und Steinfeldfriedhof, gehören der katholischen Stadtpfarre zum Heiligen Blut. Die übrigen katholischen Friedhöfe führen die jeweiligen Pfarren. Einzig den Urnenfriedhof betreibt mit der Grazer Bestattung ein Unternehmen der Holding Graz, dazu kommen zwei evangelische Friedhöfe, der jüdische und der altkatholische.
| Friedhof | Adresse | Verwaltung |
|---|---|---|
| Zentralfriedhof | Triester Straße 164 | Stadtpfarre zum Hl. Blut |
| Katholischer Stadtfriedhof St. Peter | Petersgasse 67 | Stadtpfarre zum Hl. Blut |
| Steinfeldfriedhof | Friedhofgasse 33 | Stadtpfarre zum Hl. Blut |
| Friedhof St. Leonhard | Leonhardplatz 14 | Pfarre St. Leonhard |
| St. Peter Ortsfriedhof | Petersbergenstraße 22 | Pfarre St. Peter |
| Friedhof Mariatrost | Kirchbergstraße 18 | kath. Pfarre |
| Friedhof Straßgang | Florianibergstraße 41 | kath. Pfarre |
| Friedhof St. Veit | St.-Veiter-Straße | kath. Pfarre |
| Friedhof Kalvarienberg | Kalvarienweg | kath. Pfarre |
| Urnenfriedhof und Feuerhalle | Alte Poststraße 343-345 | Grazer Bestattung |
| Altkatholischer Friedhof | neben dem Zentralfriedhof | Altkatholische Kirche |
| Evangelischer Stadtfriedhof St. Peter | Petersgasse 67 | Evangelische Kirche |
| Evangelischer Friedhof Neuhart | Harter Straße 92 | Evangelische Kirche |
| Israelitischer Friedhof | Wetzelsdorfer Straße 33 | Israelitische Kultusgemeinde |
Für die katholischen Friedhöfe gibt es eine gemeinsame Anlaufstelle: Die Friedhofshotline der Diözese Graz-Seckau ist unter 0316 8041-802 von Montag bis Freitag zwischen 9 und 12 Uhr erreichbar. Gräber findet man mit der App „Stiller Begleiter", die die Diözese anbietet.
Zentralfriedhof: der größte Friedhof der Steiermark
Rund 26 Hektar, etwa 33.000 Grabstellen und zu Allerheiligen an einem einzigen Tag 35.000 bis 50.000 Besucher: Der Zentralfriedhof an der Triester Straße ist mit Abstand der größte Friedhof der Steiermark. Die Zahlen nannte Friedhofsverwalter Roman Wurzer 2024 der MeinBezirk. Wie viele Menschen hier insgesamt begraben sind, weiß niemand genau, Wurzer schätzt rund 150.000.
Seine Geschichte beginnt mit einem Streit. Ab 1886 ließ die Stadt nach Plänen von Carl Lauzil einen neuen Zentralfriedhof im neugotischen Ziegelstil bauen, der die alten Friedhöfe in St. Leonhard, St. Peter und am Steinfeld ersetzen sollte. Bürger und Kirche wehrten sich, die Kirche verweigerte die Weihe, ein langer Rechtsstreit folgte, den die Pfarren gewannen. 1894 verkaufte die Stadt den Friedhof um 310.000 Gulden an die Stadtpfarre, mit einer Bedingung: Er muss für alle Konfessionen offen bleiben. Seither ist er, wie es die Grazer Kulturvermittlerin formuliert, ein interkonfessioneller Kommunalfriedhof im Besitz der katholischen Kirche. Die alten Friedhöfe blieben offen.
Das sieht man bis heute. Es gibt eigene Felder für altkatholische, ukrainische, koptische und muslimische Begräbnisse. In der Kuppelkirche, 1898 geweiht, feiert die serbisch-orthodoxe Gemeinde an jedem Sonn- und Feiertag ihre Liturgie. Im Eingangsgebäude ist ein städtischer Kindergarten untergebracht. Seit 1945 erinnert ein Denkmal an die Soldaten der Roten Armee, die im Raum Graz gefallen sind.
Der meistbesuchte Grabstein gehört Jochen Rindt, dem Formel-1-Weltmeister von 1970. Seine Beisetzung am 11. September 1970 wurde ein Staatsbegräbnis, das das Fernsehen in voller Länge live übertrug. Bis heute stehen Besucher vor seinem Grab manchmal Schlange. Mehrere hundert Ehrengräber gibt es am Zentralfriedhof, begraben sind hier außerdem Chemie-Nobelpreisträger Fritz Pregl, der Schriftsteller Karl Morre und Octavia Aigner-Rollett, die erste praktizierenden Ärztin in Graz. Ein kurioses Grab hat der Hoftischlermeister Anton Irschik: eine detailreich gestaltete, verlassene Tischlerwerkstatt. Mehr zu Pregl steht im Beitrag über die Grazer Nobelpreisträger.
Für Urnen gibt es neben dem klassischen Urnengrab seit 2009 eine Urnenwand in den früheren Arkaden und einen Urnenpark hinter der Kirche. Am „Platz des Gedenkens" lassen sich Namen und Todesjahr auf einer Glaswand eingravieren. Die Wand stellt der Friedhof gratis zur Verfügung, die Gravur zahlt man selbst.
Anfahrt: Die Straßenbahnlinie 5 hält direkt am Zentralfriedhof. Im Eingangsbereich gibt es Gratis-Parkplätze, daneben beginnt die blaue Zone. Verwaltung: Montag bis Freitag 8 bis 12 Uhr, Telefon 0316 271387, laut Stadtpfarre.
St. Leonhard: der Prominentenfriedhof
Ein Friedhof bei der Leonhardkirche ist schon 1468 belegt, der heutige wurde 1817 angelegt und am 26. November desselben Jahres eröffnet. Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts ließen sich hier so viele bekannte Grazer begraben, dass er bis heute „Prominentenfriedhof" heißt.
Der bekannteste Name ist Wilhelm von Tegetthoff, der Vizeadmiral, der am 20. Juli 1866 die Seeschlacht von Lissa gewann. Er wurde zuerst in Wien begraben und später in die Familiengruft nach St. Leonhard überführt, sein Denkmal steht nahe der Kirche. Auch der Dichter Robert Hamerling liegt hier, sein Grabstein trägt eine Büste. Die Pianistin Marie Pachler, die Beethoven auffiel und mit Schubert bekannt war, ist ebenso begraben wie der Künstler Gustinus Ambrosi. Und die Schriftstellerin und Malerin Prinzessin Djanan Djavidan, Ehefrau des letzten Vizekönigs von Ägypten, die von 1954 bis zu ihrem Tod 1968 in Graz lebte.
Das auffälligste Grabmal ist das Mausoleum von Anton Graf Prokesch von Osten. Er ließ es 1872 vom Ringstraßen-Architekten Theophil Hansen im byzantinischen Stil bauen. Friedhofskanzlei: Montag 8.30 bis 14 Uhr, Dienstag bis Freitag 8.30 bis 12 Uhr, Telefon 0316 321679, laut Pfarre St. Leonhard.
St. Peter: drei Friedhöfe in einem Bezirk
An der Petersgasse 67 liegen zwei Friedhöfe Seite an Seite. Der Katholische Stadtfriedhof St. Peter wurde Anfang des 19. Jahrhunderts angelegt, mehrmals erweitert und ist mit rund 16 Hektar einer der größten der Stadt. Die Verwaltung ist Montag bis Freitag von 8 bis 12 Uhr unter 0316 471104 erreichbar, so die Stadtpfarre. Gleich daneben liegt der Evangelische Stadtfriedhof St. Peter mit altem Baumbestand.
Weiter oben im Bezirk, an der Petersbergenstraße, liegt der St. Peter Ortsfriedhof, der Friedhof der Pfarre St. Peter, am Hang und mit einer neu gebauten Verabschiedungshalle.
Urnenfriedhof: Baum- und Rasengräber ohne Grabpflege
Nahe dem Zentralfriedhof, an der Alten Poststraße 343-345, liegt der einzige Friedhof, den weder eine Kirche noch eine Religionsgemeinschaft führt: der Urnenfriedhof mit der Feuerhalle der Grazer Bestattung. Er besteht seit 1932, das erste Grab wird bis heute gepflegt. Rund 11.000 Grabstellen sind belegt, Verabschiedungen finden in der Jugendstil-Halle der Feuerhalle, in einer modernen Halle im interkonfessionellen Teil oder im Freien statt.
Gefragt sind vor allem die Formen, die keine Pflege brauchen. Bei der Baumbestattung wird die Urne an den Wurzeln eines Baumes beigesetzt, der Baum ist dann die Gedenkstätte. Bei der Rasenbestattung gibt es einen gemeinsamen Gedenkstein. Wer ein klassisches Grab hat, kann die Pflege an die hauseigene Gärtnerei abgeben, die bepflanzt, gießt und saisonal umsetzt. Grabsteine reinigt sie allerdings nicht. Laut Holding Graz ist der Urnenfriedhof rund um die Uhr zugänglich. Friedhofsbüro: 0316 887 2817.
Steinfeld, Kalvarienberg und die Friedhöfe am Stadtrand
Der Steinfeldfriedhof in der Friedhofgasse war ursprünglich der Begräbnisplatz für die Bewohner rechts der Mur. Bei einer Neugestaltung des Eingangsbereichs bekam er 2011 eine Aufbahrungshalle der Architekten Hofrichter-Ritter. Der Kalvarienbergfriedhof gehört zum Grazer Kalvarienberg mit seiner Wallfahrtskapelle.
Am Stadtrand liegen die Pfarrfriedhöfe von Mariatrost (hinter der Basilika), Straßgang (am steilen Hang neben der Kirche) und St. Veit im Norden. Der Evangelische Friedhof Neuhart an der Harter Straße gilt als „grüner Friedhof": Grabsteine dürfen höchstens die Hälfte der Grabfläche bedecken.
Der Israelitische Friedhof an der Wetzelsdorfer Straße ist der Friedhof der jüdischen Gemeinde Graz. In den Jahren 2011 und 2012 haben ihn das Centrum für Jüdische Studien der Universität Graz und Schüler des Akademischen Gymnasiums im Projekt Sparkling Science vollständig fotografiert, die Grabinschriften wurden transkribiert und ausgewertet.
Allerheiligen 2026: Gräbersegnungen am 1. November
Allerheiligen fällt heuer auf einen Sonntag. Die Katholische Stadtkirche hat die Gräbersegnungen auf den Grazer Friedhöfen veröffentlicht:
| Friedhof | Sonntag, 1. November 2026 |
|---|---|
| St. Leonhard | 10 Uhr Messe, anschließend Gräbersegnung |
| St. Veit | 11 Uhr Gräbersegnung |
| Zentralfriedhof | 14.30 Uhr Gräbersegnung |
| St. Peter Ortsfriedhof | 14.30 Uhr Andacht vor der Verabschiedungshalle, danach Segnung |
| Straßgang | 14.45 Uhr Gedenken beim Mahnmal des Friedens, Prozession, Gräbersegnung |
| St. Peter Stadtfriedhof | 15 Uhr Gräbersegnung |
| Steinfeldfriedhof | 15 Uhr Gräbersegnung |
| Kalvarienberg | 15 Uhr Gräbersegnung |
| Mariatrost | 15 Uhr Andacht und Gräbersegnung |
| Feldkirchen | 14.15 Uhr alter Friedhof, 15 Uhr neuer Friedhof |
| Thal | 14 Uhr Gedenkmesse in der Pfarrkirche, danach Friedhofsgang |
Schon den ganzen Oktober kommen auf den Zentralfriedhof doppelt so viele Besucher wie im Rest des Jahres. Am ruhigsten ist es laut Verwalter Wurzer rund um den Jahreswechsel und in den Monaten bis April.
Mit der Allerheiligenbim zum Friedhof
Am Samstag, 31. Oktober, und Sonntag, 1. November, fährt das Tramway Museum Graz mit einer historischen Straßenbahn auf den Spuren der früheren Friedhofslinie 25: vom Zentralfriedhof über den Jakominiplatz zum Friedhof St. Peter. Fahrscheine gibt es keine, gebeten wird um eine freiwillige Spende. Die genauen Fahrzeiten stehen noch nicht fest.
Vor den großen Friedhöfen stehen zu Allerheiligen traditionell Marktstände mit Gestecken, Kränzen, Grablichtern, Maroni und Süßem. Im Vorjahr waren es laut Stadt Graz sechs Standorte, darunter Zentralfriedhof, St. Leonhard, St. Peter, Steinfeld und Urnenfriedhof, jeweils von 7 bis 18 Uhr. Die Termine für 2026 hat die Stadt noch nicht veröffentlicht. Den Vorabend nutzen viele Familien inzwischen anders, was dabei auf dem Programm steht, zeigt der Überblick zu Halloween in Graz.
Grab verlängern, Grab auflassen
Ein Grab gehört nie dem, der dafür zahlt. Man erwirbt ein Nutzungsrecht für eine bestimmte Zeit. Am Zentralfriedhof gilt eine Ruhefrist von 15 Jahren. Kümmert sich danach niemand mehr um ein Grab, wird es geräumt. Laut Verwaltung werden dort jedes Jahr 200 bis 400 Gräber nicht verlängert und aufgelassen.
Welche Gräber gerade ablaufen, veröffentlichen manche Pfarren als Liste. Die Pfarre St. Leonhard stellt sie als PDF auf ihre Friedhofsseite, die Friedhofsordnung gleich daneben. Wer unsicher ist, ob ein Familiengrab betroffen ist, ruft am besten direkt in der zuständigen Kanzlei an, die Telefonnummern stehen oben bei den einzelnen Friedhöfen.