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Grazer Innenhöfe: Renaissance-Juwelen hinter historischen Fassaden

Grazer Innenhöfe: Renaissance-Juwelen hinter historischen Fassaden

Rund 50 historische Innenhöfe verbergen sich hinter den Fassaden der Grazer Altstadt. Sie erzählen von italienischen Baumeistern, habsburgischen Kaisern und dem Glanz der Renaissance – und sind bis heute lebendige Oasen der Ruhe mitten in der Stadt.

Wer durch die Grazer Altstadt schlendert, ahnt oft nicht, welche architektonischen Schätze sich hinter den historischen Hausfassaden verbergen. Die Renaissance-Innenhöfe der steirischen Landeshauptstadt gehören zu den besterhaltenen ihrer Art in Mitteleuropa und waren ein wesentlicher Grund für die Aufnahme der Altstadt in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes im Jahr 1999.

Der Landhaushof: Meisterwerk der italienischen Renaissance

Der Arkadenhof des Grazer Landhauses gilt als einer der schönsten Renaissance-Höfe nördlich der Alpen. Ab 1557 errichtete der italienische Festungsbaumeister Domenico dell'Allio dieses architektonische Juwel im Auftrag der steirischen Landstände. Die dreigeschossigen Arkadengänge mit ihren eleganten Rundbögen und toskanischen Säulen versetzen Besucher bis heute in Staunen.

Insgesamt umschließt das Landhaus drei Innenhöfe: den großen Landhaushof, den kleinen Landhaushof und den Zeughaushof. Im Zentrum des großen Hofes steht eine kunstvolle Brunnenlaube aus Bronzeguss. Heute dient der Landhaushof nicht nur als Sitz des Steiermärkischen Landtags, sondern auch als beliebter Veranstaltungsort für Konzerte und im Advent für die berühmte Eiskrippe.

Die Doppelwendeltreppe: Symbol für die Ewigkeit

Ein absolutes Highlight unter den verborgenen Schätzen ist die Doppelwendeltreppe in der Grazer Burg. Dieses Meisterwerk spätgotischer Steinmetzkunst wurde 1499–1500 unter Kaiser Maximilian I. errichtet. Die aus Sandstein gehauene Konstruktion besteht aus zwei gegenläufigen Treppen, die sich auf jedem Stockwerk für einige Stufen vereinen, dann wieder trennen und erneut zusammenfinden.

Die Grazer nennen dieses Wunderwerk liebevoll „Versöhnungsstiege" oder „Busserlstiege" – getrennte Wege führen immer wieder zusammen, ein Symbol für Versöhnung und Ewigkeit.

Besucherinformation Doppelwendeltreppe

  • Adresse: Hofgasse 15, im Burghof der Grazer Burg
  • Öffnungszeiten: täglich 7:30 bis 20:00 Uhr
  • Eintritt: frei

Das Gemalte Haus: Ein Götterhimmel in der Herrengasse

Direkt an der Flaniermeile Herrengasse zieht das „Gemalte Haus" mit seiner vollständig bemalten Fassade die Blicke auf sich. Die 220 Quadratmeter großen Wandmalereien aus dem Jahr 1742 zeigen einen kompletten Götterhimmel der griechisch-römischen Mythologie – einzigartig in Österreich.

Versteckte Höfe: Klöster und Kollegien

Das Franziskanerkloster

Das 1239 gegründete Franziskanerkloster ist die älteste Klosterniederlassung der Stadt. Der gotische Kreuzgang umschließt einen stillen Innenhof, in dem Rosen gedeihen und die Zeit stillzustehen scheint.

Das Jesuitenkolleg

In der Bürgergasse verbirgt sich der größte Renaissance-Hof der Stadt mit rund 1.300 Quadratmetern. Eine Überraschung: Hier steht auch bei Hochsommer ein kleiner Schneemann aus Marmor – eine Skulptur von Manfred Erjautz als „Symbol des Vergänglichen".

Die schönsten Innenhöfe im Überblick

Innenhof Adresse Besonderheit
LandhaushofHerrengasse 16Dreigeschossige Renaissance-Arkaden
Burghof mit DoppelwendeltreppeHofgasse 15Spätgotische Zwillingswendeltreppe
FranziskanerklosterFranziskanerplatzGotischer Kreuzgang, Rosengarten
JesuitenkollegBürgergasseGrößter Renaissance-Hof (1.300 m²)
Haus des Deutschen RitterordensSporgasseHistorische Arkadengänge
Herzogshof (Gemaltes Haus)Herrengasse 3Mythologische Fresken

Tipp für Entdecker

Die schönsten Innenhöfe lassen sich am besten bei einer geführten Stadtführung entdecken. Graz Tourismus bietet spezielle Innenhof-Führungen an, bei denen auch sonst verschlossene Höfe geöffnet werden. Die Vormittagsstunden eignen sich besonders gut, wenn das Sonnenlicht durch die Arkaden fällt.

Wer die Grazer Innenhöfe auf eigene Faust erkunden möchte, braucht vor allem eines: Neugier. Scheuen Sie sich nicht, durch offene Haustore zu gehen und einen Blick in die Höfe zu werfen. Die meisten sind tagsüber frei zugänglich und warten nur darauf, entdeckt zu werden.

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