Lendwirbel: Das Straßenfest, das die Nachbarschaft selbst macht
Vier Tage, 159 Projekte, kein einziger Sponsor. Der Lendwirbel füllt jedes Frühjahr die Straßen rund um den Mariahilferplatz, und im Herbst 2025 wäre er beinahe ausgefallen.
Wann und wo
Der Lendwirbel ist ein Straßenfest im Bezirk Lend, das jedes Frühjahr vier Tage dauert. 2026 lief es von Donnerstag, 30. April, bis Sonntag, 3. Mai. Ursprünglich war der 7. bis 10. Mai geplant, in Absprache mit der Stadt Graz rückte der Verein das Fest im Jänner um eine Woche nach vorn. Einen Termin für 2027 hat der Verein noch nicht veröffentlicht, Stand September 2026.
| Was | Angabe |
|---|---|
| Zeitraum 2026 | Do., 30. April, bis So., 3. Mai |
| Kerngebiet | rund um den Mariahilferplatz, etwa von der Griesgasse bis zum Lendplatz |
| Projekte 2026 | 159 |
| Sponsoren | keine, finanziert aus öffentlichen Förderungen |
| Veranstalter | Lendwirbel, Verein für nachbarschaftliche Stadtentwicklung |
| Büro | Mariahilferstraße, rechts neben Nummer 28 |
2025 hatte sich das Fest bis in den Fröbelpark ausgedehnt. Das kam laut Annenpost bei Besuchern gut an, die Wege zwischen den Standorten waren aber zu weit. 2026 konzentrierte sich der Lendwirbel deshalb wieder auf die Gegend um den Mariahilferplatz. Der Fröbelpark bekam ein eigenes Fest, am Samstag vor Beginn des Parkumbaus am 7. September 2026.
Das Programm 2026 in Zahlen
Auf der Projektübersicht 2026 stehen 159 Programmpunkte. Ausgezählt nach den vier Kategorien des Vereins und nach Tagen:
| Kategorie | Projekte | Anteil |
|---|---|---|
| Musik | 57 | 36 % |
| Kunst | 40 | 25 % |
| Workshops | 34 | 21 % |
| Diskurs und Soziales | 28 | 18 % |
| Tag | Projekte |
|---|---|
| Donnerstag, 30. April | 36 |
| Freitag, 1. Mai | 51 |
| Samstag, 2. Mai | 55 |
| Sonntag, 3. Mai | 17 |
Wer das dichteste Programm erleben will, kommt also am Freitag oder Samstag, auf die zusammen genau zwei Drittel aller Projekte entfielen. Der Sonntag ist der ruhigste Tag. Die meisten Programmpunkte hatte der Mariahilferplatz mit 36, dahinter Stockergasse und Südtiroler Platz mit je 16 und die Kosakengasse mit 14. Die Mariahilferstraße kam auf 13, Griesgasse und Hieristplatz auf je 12. Dazu kamen elf mobile Projekte, der Volksgarten, der Lendplatz, die Ökonomiegasse, der Spitzplatz und die Murinsel.
Musik heißt beim Lendwirbel: Grazer Bands aus allen Richtungen, von Grunge über Reggae bis Austropop, dazu Straßenmusik und eine Schaufensterbühne einer Pizzeria in der Stockergasse. Im Lokal Scherbe gab es an drei Tagen eigenes Programm mit Improtheater, Live-Karaoke, Chor und einem Kindernachmittag mit Kasperl. Kinderfreundliche Projekte markiert der Verein im Programm eigens.
Wie das Programm entsteht
Der Lendwirbel ist kein kuratiertes Festival. Es gibt keine Auswahljury und keine Bewerbung. Wer ein Projekt einbringen will, kommt zu einem der Netzwerktreffen, die der Verein über Monate hinweg ausschreibt, meist im Stadtteilzentrum Lend in der Mariengasse 41. Dort werden Ideen vorgestellt, verbunden und weitergedacht. Das Kernteam kümmert sich um Genehmigungen, Technik und Förderungen.
Für die Saison 2026 gab es Treffen ab November 2025, darunter ein eigenes Treffen am Wochenende und erstmals eines nur für FLINTA*, also Frauen, inter, nicht-binäre, trans und agender Personen. Drei Regeln prägen das Programm:
- Mitmachen statt Zuschauen: Jedes Projekt braucht einen partizipativen Anteil. Stände, die nur etwas verkaufen, sind nicht erwünscht.
- Keine Werbung: Sponsoring, Werbemaßnahmen oder inhaltliche Einflussnahme lehnt der Verein ab. Er finanziert sich aus öffentlichen Förderungen, auf der Vereinsseite genannt sind unter anderem Land Steiermark und Region Graz.
- Höchstens halb Männer: Auf den Hauptbühnen dürfen maximal 50 Prozent der Musikprojekte rein männlich gelesen sein.
Anreise- und Materialkosten für Projekte übernimmt der Verein nach Absprache. Gastronomiebetriebe außerhalb des Festgebiets können sich nicht beteiligen, jene innerhalb bekommen die Informationen direkt, erklärt der Verein auf seiner Seite zum Mitmachen.
Der Herbst, in dem der Lendwirbel fast starb
Im Oktober 2025 hingen im Viertel Plakate mit dem Satz „Der Lendwirbel stirbt". Es fehlten schlicht Ehrenamtliche, das bisherige Team konnte die Arbeit nicht mehr stemmen. Ein Fest 2026 wäre in der damaligen Besetzung nicht möglich gewesen, sagte das Kernteam später gegenüber 5min.at.
Der Alarm wirkte. Beim Netzwerktreffen am 18. November 2025 meldeten sich Dutzende neue Freiwillige. Der Verein baute seine Struktur um: Neben dem Kernteam gibt es seither einfache Mitglieder mit weniger Verantwortung und „Helping Hands", die punktuell mithelfen. Das Kernteam zählt laut Verein rund zehn Ehrenamtliche, die das ganze Jahr planen. Für 2026 kam außerdem ein Straßenmusical zum Mitmachen dazu, als Spielort war die Murinsel im Gespräch, die schon 2018 ein ähnliches Projekt beherbergt hatte.
Von 100 Gästen zum größten Viertelfest der Stadt
Angefangen hat der Lendwirbel 2007 als Einstandsfest. Die Agentur En garde zog gemeinsam mit einem Friseurladen in den Bezirk und feierte statt einer kleinen Eröffnung ein offenes Fest. Es kamen an die hundert Gäste. Aus dem spontanen Happening wurde ein jährliches Ritual, die Straßen wurden gesperrt, das Programm wuchs.
| Jahr | Was |
|---|---|
| 2007 | erstes Fest, rund 100 Gäste |
| 2014 | Gründung des Vereins für nachbarschaftliche Stadtentwicklung |
| 2025 | 17. Ausgabe, 500 Menschen gestalten 150 Projekte, Ausdehnung bis in den Fröbelpark |
| Oktober 2025 | Plakate „Der Lendwirbel stirbt", danach Neuaufstellung |
| 2026 | Rückkehr zum Mariahilferplatz, 159 Projekte, eigenes Parkfest im Fröbelpark |
Die Annenpost nennt den Lendwirbel das größte Grazer Viertelfest. Der Verein selbst sieht sich nicht als Veranstalter, sondern als Plattform für nachbarschaftliche Stadtentwicklung, die das ganze Jahr über arbeitet, etwa mit Themenabenden zur Verteilung des öffentlichen Raums unter dem Titel „RaumFairTeilung" und mit Projekten mit Schulen und Fachhochschulen. Mehr zum Viertel selbst, seinen Plätzen und Lokalen, steht im Porträt des Bezirks Lend.