Die Helmut-List-Halle: Werkshalle mit Konzertsaal-Akustik
Vier Sekunden Nachhall im leeren Raum, 2.600 Quadratmeter bespielbare Fläche und ein Klangkörper aus Fichtenholz in einer Industriehalle von Waagner-Biro. Alle Säle, Kapazitäten, Parktarife und die Anreise.
Eine Werkshalle, die zum Konzertsaal wurde
Die Halle, in der heute die styriarte spielt, war einmal eine Fabrik. Die Werkshalle IX des Anlagenbauers Waagner-Biro stand in der Waagner-Biro-Straße bereits im Abbruch, als sie umgewidmet wurde: eine schlichte, prismatische Konstruktion aus genieteten Stahlprofilen und Glas. Bauherr des Umbaus war Helmut List, Chef des Grazer Motorenforschungsunternehmens AVL, Architekt Markus Pernthaler. Planung und Bau dauerten dreizehn Monate, am 9. Jänner 2003 ging das Haus in Betrieb - rechtzeitig zum Kulturhauptstadtjahr. 2003 gab es dafür den Bauherrenpreis.
Erhalten blieb, was die Halle ausmacht: das filigrane Dachtragwerk aus Stahl und Glas. Hineingestellt wurde ein zweiter Körper, ein Klangkörper aus dunkel gebeizten Fichtenholztafeln, ergänzt um individuell justierbare Deckenelemente und großflächige Stahlgewebe, mit denen sich die Akustik auf das jeweilige Programm einstellen lässt. Weil unmittelbar daneben Bahnstrecken verlaufen, mussten die Erschütterungen von außen neutralisiert werden - ein Aufwand, den man dem Haus von innen nicht ansieht. Die Projektdaten stehen beim Architekturbüro Markus Pernthaler, die Bruttogeschoßfläche liegt bei rund 7.000 Quadratmetern.
Vier Sekunden Nachhall
Das eigentliche Alleinstellungsmerkmal ist nicht die Architektur, sondern der Klang. Die Halle wurde ausdrücklich für styriarte und steirischen herbst geplant, und an der Konzeption war 2002 Nikolaus Harnoncourt beteiligt, der das Haus danach jahrelang bespielte. Im leeren Raum beträgt die Nachhallzeit rund vier Sekunden, mit Publikum sinkt sie auf gut zwei Sekunden - ein Wert, der für Alte Musik und großes Orchester gleichermaßen taugt. Die styriarte beschreibt das auf ihrer Seite zur Helmut List Halle selbst als passgenau für ihr Repertoire.
Betrieben wird das Haus von der AVL Cultural Foundation, die Helmut und Kathryn List 2007 gegründet haben. Damit hängt die Halle nicht am städtischen Kulturbudget, was ihr Programm erklärt: Klassikfestivals und Firmenveranstaltungen finanzieren einander quer. An der Südfassade hängt eine Photovoltaikanlage, die 2003 zu den größten Österreichs zählte; die Beleuchtung wurde zuletzt auf LED umgestellt, was Hitze und Kühlkosten senkt.
Vier Bereiche, bis zu 3.000 Menschen
Auf rund 2.600 Quadratmetern bespielbarer Fläche finden in Summe bis zu 3.000 Besucherinnen und Besucher Platz. Das Haus besteht aus vier direkt verbundenen Bereichen, die einzeln oder gemeinsam bespielt werden. Die offiziellen Zahlen:
| Bereich | Fläche | Stehplätze | Reihenbestuhlung | Runde Tische |
|---|---|---|---|---|
| Foyer (Teil A) | 550 m² | 800 | 450 | 210 |
| Halle (Teil B) | 1.100 m² | 2.000 | 1.200 | 640 |
| Backstage (Teil C) | 420 m² | 600 | 400 | 180 |
| Detroit Room (Teil D) | 540 m² | 720 | 440 | 220 |
Die eigentliche Halle misst 44,8 mal 23,1 Meter, das Dach liegt bei zwölf Metern. Sie ist über den Backstage-Bereich durch ein 5,5 mal 6,0 Meter großes Tor mit dem Lkw befahrbar, zulässige Achslast 7,5 Tonnen - der Grund, warum hier auch Autopräsentationen und Messen stattfinden. Das Foyer ist mit 35,9 Metern Länge und 10,8 Metern Höhe selbst ein Saal und hat gegenüber dem Eingang eine 230 Quadratmeter große Lichteffektwand. Der Backstage-Bereich enthält schallisolierte Räume für Tontechnik, CD-Aufnahmen und Live-Übertragungen. Der Detroit Room mit 540 Quadratmetern und 5,9 Metern lichter Höhe ist der jüngste Bereich, für kleinere Formate steht zusätzlich die AVL Lounge bereit. Alle Maße und Bestuhlungsvarianten stehen auf der Seite Location und Technik der Halle.
Was hier gespielt wird
Die Bandbreite ist ungewöhnlich groß, weil das Haus nicht von einer Sparte belegt ist. Im Sommer bespielen styriarte und im Herbst der steirische herbst die Halle, dazwischen läuft ein Programm, das von Kabarett über Musical und Zirkus bis zu Firmengalas und Maturabällen reicht. Im September 2026 etwa stehen zwei ausverkaufte Abende von Monika Gruber auf dem Plan, dazu das Grazer Korea Kulturfest am 11. und 12. September, das das Korea Kulturzentrum Österreich zum zweiten Mal in die Halle bringt. Im Oktober rollt die Space Quads Roller Disco durchs Haus.
Wie sich die Halle in die Grazer Bühnenlandschaft einordnet, steht in unserer Übersicht der großen Veranstaltungsorte in Graz; die Kabarettschiene der Stadt beschreibt der Beitrag Kabarett und Comedy in Graz, die Klassik- und Jazzszene der Grazer Musikszene. Dass die Halle überhaupt existiert, hängt direkt mit dem Kulturhauptstadtjahr 2003 zusammen, in dem Graz eine ganze Reihe von Bauten bekam, die heute selbstverständlich wirken.
Ein Viertel, das um die Halle herum entstanden ist
Als die Halle 2003 eröffnete, stand sie in einem Industriegebiet zwischen Bahntrasse und Gürtel. Heute liegt sie mitten im Smart-City-Quartier, das auf den ehemaligen Waagner-Biro-Gründen gewachsen ist: Wohnbauten, Büros, ein Supermarkt, eine Tiefgarage, die inzwischen zur Halle kooperiert. Auch die Straßenbahn ist nachgerückt - dort, wo die neue Linienführung abbiegt, entsteht ein Nikolaus-Harnoncourt-Park, benannt nach dem Dirigenten, der an der Konzeption des Hauses beteiligt war.
Für Besucherinnen und Besucher heißt das vor allem: Der Weg zur Halle führt nicht mehr durch eine tote Gegend. Wer vor einem Konzert noch etwas essen will, findet im Quartier und entlang der Wiener Straße Lokale in Gehweite, und der Hauptbahnhof mit seinen Geschäften liegt zwei Stationen entfernt.
Anreise: Linie 6 bis vor die Tür
Die Adresse lautet Waagner-Biro-Straße 98a, 8020 Graz. Mit den Öffis fährt die Straßenbahnlinie 6 zur Haltestelle „Dreierschützengasse / Helmut List Halle", von dort sind es wenige Schritte. Weil die Linie 6 direkt vor dem Hauptbahnhof hält, ist die Halle auch für Anreisende aus der Steiermark bequem erreichbar - vom Zug in die Bim, ohne Umsteigen.
In den Nächten vor Samstagen, Sonntagen und Feiertagen bringt die Nachtbuslinie N1 das Publikum zum normalen Verbundtarif direkt von der Halle nach Hause, was bei spät endenden Veranstaltungen den Unterschied zwischen Taxi und Fahrschein ausmacht. Am Bahnhofsvorplatz gibt es einen Taxistandplatz; die Nummern der beiden großen Grazer Funkzentralen lauten +43 316 878 und +43 316 2801. Mehr dazu in unserem Beitrag Taxi in Graz und im Öffi-Guide.
Parken: 6 Euro, wenn man es richtig macht
Direkt am Gelände liegt die hauseigene Garage mit über 160 Stellplätzen, Einfahrt südlich der Halle. Der Tarif ist einfach: 6 Euro für bis zu sechs Stunden, bezahlt wird bei der Einfahrt, bar oder mit Karte. Bei ausverkauften Abenden ist sie schnell voll.
Die Alternative ist die Parkgarage Smart City Mitte in der Waagner-Biro-Straße 106b, Einfahrt neben dem Hofer, rund zehn Gehminuten entfernt. Regulär kostet dort die erste Stunde 3,90 Euro und jede weitere 2,70 Euro, mit dem Kooperationstarif der Halle zahlen Sie 6 Euro für bis zu vier Stunden. Der Ablauf hat allerdings Tücken:
- Bei der Einfahrt wird das Kennzeichen automatisch registriert, die Schranke öffnet ohne Ticket.
- Die Plätze im Erdgeschoß sind für den Supermarkt reserviert. Nutzen Sie nur Plätze ohne Kennzeichnung, diese liegen ausschließlich in den Untergeschoßen; Wegweiser mit dem Logo der Halle führen hin.
- Bezahlt wird vor Veranstaltungsbeginn im Foyer der Halle. Sie bekommen einen Bon mit QR-Code, der an der Ausfahrtsschranke gescannt wird.
- Wer die vier Stunden überschreitet oder gar nicht im Foyer bezahlt, zahlt an der Schranke nach - zum regulären Tarif und ausschließlich kontaktlos mit Karte oder Handy, Bargeld geht dort nicht.
Öffentliche Stellplätze gibt es zusätzlich in der Peter-Tunner-Gasse, der Dreierschützengasse, der Starhemberggasse und der Laudongasse, dort gelten die üblichen Gebühren der grünen und blauen Zonen. Was das im Detail heißt, steht in unserem Beitrag Parken in Graz. Mit dem Auto führt die Zufahrt aus dem Süden über den Eggenberger Gürtel, aus dem Norden über die Wiener Straße in die Waagner-Biro-Straße; von Norden kommend empfiehlt das Haus gleich die Smart-City-Garage, weil Wendemanöver vor der Halle den Zufahrtsbereich blockieren.
Der Detroit Room
Der jüngste Teil des Hauses ist der Detroit Room, ein eigener Hallenteil mit 540 Quadratmetern, der bewusst anders bespielt wird als der Konzertsaal: Clubabende und DJ-Sets, Kabarett, Ausstellungen und Präsentationen. Mit 720 Stehplätzen liegt er in einer Größenordnung, die in Graz sonst kaum zu haben ist - deutlich größer als ein Club, deutlich kleiner als die große Halle. Für die Programmplanung des Hauses ist er der Grund, warum an einem Abend gleichzeitig ein Sinfoniekonzert und eine Clubnacht stattfinden können, ohne dass sich beide stören.
Tickets, Barrierefreiheit, Praktisches
Ein Punkt, an dem viele hängenbleiben: Die Halle selbst verkauft und reserviert keine Karten. Der Vorverkauf läuft immer über den jeweiligen Veranstalter und die bei der Veranstaltung angegebenen Vorverkaufsstellen. Eine Abendkassa gibt es nur, wenn der Abend nicht ausverkauft ist - bei ausverkauften Terminen führt der Weg vor Ort ins Leere. Auch Ermäßigungen legt der Veranstalter fest und nicht das Haus; sie werden beim jeweiligen Ticketlink unter dem Normalpreis angezeigt. Der KulturPass wird in der Helmut List Halle nicht eingelöst. Steht auf dem Ticket „freie Platzwahl", gibt es keine zugewiesenen Sitzplätze, es zählt die Reihenfolge des Einlasses - bei bestuhlten Konzerten also ein Argument, früher zu kommen.
Bei der Barrierefreiheit ist das Haus konkret: Der Weg vom barrierefreien Parkplatz zum Haupteingang ist durchgehend, Veranstaltungsraum und WC sind stufenlos erreichbar, im Saal gibt es eigene Rollstuhlplätze, und für die Bühne kann bei Bedarf eine Rampe gestellt werden. Die nächste Bushaltestelle liegt 50 Meter entfernt. Auskunft gibt das Haus unter +43 316 584260 oder [email protected].
Garderoben, Bar und Cateringbereich liegen im Foyer, das bei Konzerten als Pausenraum dient. Weil das Haus vier verbundene Bereiche hat, lohnt vor dem Kauf ein Blick darauf, welcher Teil bespielt wird: Ein Abend im Detroit Room hat eine völlig andere Größe als einer in der Halle. Alle aktuellen Termine und die Wegbeschreibung stehen auf der Anreiseseite der Helmut List Halle. Stand August 2026.