Candlelight-Konzerte in Graz: Wo sie stattfinden und was sie kosten
Streichquartette spielen Queen, Hans Zimmer und Vivaldi bei Kerzenlicht - in der Herz-Jesu-Kirche, der Heilandskirche, der Aula der Uni und open air in den Kasematten. Tickets ab 16 Euro, Zonenpreise bis 67,50 Euro.
Vier Spielorte, vier sehr unterschiedliche Abende
Die Konzertreihe läuft in Graz nicht an einem festen Ort, sondern wechselt zwischen vier Häusern - und das ist für die Planung wichtiger, als es klingt. Ein Abend in einer neugotischen Hallenkirche mit 109 Meter hohem Turm klingt anders als einer in einer klassizistischen Saalkirche, und beides hat mit einem Open-Air-Konzert auf dem Schlossberg wenig gemeinsam.
| Spielort | Adresse | Charakter | Einlass vor Beginn |
|---|---|---|---|
| Herz-Jesu-Kirche | Sparbersbachgasse 58, 8010 Graz | Großer Hallenraum, langer Nachhall | 30 Minuten |
| Evangelische Heilandskirche | Kaiser-Josef-Platz 9, 8010 Graz | Kleiner, mit Balkonplätzen | 30 Minuten |
| Aula der Universität Graz | Universitätsplatz 3, 8010 Graz | Repräsentativer Saal, trockene Akustik | 30 Minuten |
| Kasematten - Schlossbergbühne | Schloßberg 7, 8010 Graz | Open Air, nur im Sommer | 60 Minuten |
Die beiden Kirchen tragen den größten Teil des Programms. Die Aula kommt punktuell dazu, meist im Februar, die Kasematten ausschließlich in den Sommermonaten. Wer eine bestimmte Musik hören will, hat deshalb nicht immer die freie Wahl beim Raum: Das Vivaldi-Programm und der Hans-Zimmer-Abend laufen in der Heilandskirche, Adele und Michael Jackson eher in der Herz-Jesu-Kirche.
Was die Tickets kosten
Der Preis hängt an der gebuchten Zone, nicht am Sitzplatz. Innerhalb der Zone gilt freie Platzwahl bei der Ankunft - wer früh kommt, sitzt vorne. Das ist der wichtigste Hebel für den Abend, weil zwischen der billigsten und der teuersten Zone in derselben Kirche gut 40 Euro liegen können.
| Beispiel | Zone D | Zone C | Zone B | Zone A |
|---|---|---|---|---|
| Ed Sheeran & Coldplay, Herz-Jesu-Kirche | 27,00 € | 41,00 € | 57,00 € | 67,50 € |
| Tribut an Adele, Herz-Jesu-Kirche | 27,00 € | 35,50 € | 46,00 € | 56,50 € |
| Queen & the Beatles, Herz-Jesu-Kirche | 27,00 € | 37,00 € | 47,00 € | 58,00 € |
| Tribut an Adele, Aula der Universität | 25,00 € | 39,00 € | 49,00 € | 60,00 € |
Nach unten geht es weiter, als die Tabelle zeigt: In der Heilandskirche starteten Termine im Oktober und November bei 16 Euro in Zone D. Die Einstiegspreise schwanken stark nach Termin und Nachfrage, weil dasselbe Programm an einem Donnerstag im Jänner anders kalkuliert wird als an einem Samstag im Advent. Beim Open-Air-Konzert in den Kasematten arbeitet der Veranstalter mit sechs Zonen von A bis F plus Logen, dort begannen die Karten bei 31,50 Euro. Stand August 2026 finden Sie die aktuellen Termine und Preise auf der Grazer Übersichtsseite des Veranstalters Fever.
Dazu kommen optionale Zusatzposten, die beim Ticketkauf angeboten werden: ein Sofortbild für 5 Euro, ein Dreierpack elektrischer Kerzen für 15 Euro, gelegentlich ein Plüschtier für 12 Euro. Nichts davon ist für den Konzertbesuch nötig.
Wie ein Abend abläuft
Der Ablauf ist streng getaktet und unterscheidet sich deutlich von einem normalen Kirchenkonzert:
- Dauer: 60 Minuten, bei einzelnen Programmen 65 Minuten. Es gibt keine Pause.
- Einlass: 30 Minuten vor Beginn, beim Open Air auf dem Schlossberg 60 Minuten vorher.
- Kein Nacheinlass: Wer nach Konzertbeginn kommt, kommt nicht mehr hinein. Das ist keine Kulanzfrage, sondern steht so in den Bedingungen.
- Altersgrenze: Kein Zutritt unter 8 Jahren. Unter 16 Jahren nur in Begleitung einer erwachsenen Person.
- Barrierefreiheit: Alle vier Spielorte sind als rollstuhlgerecht ausgewiesen.
- Platzwahl: frei innerhalb der gebuchten Zone, keine nummerierten Sitze.
An zwei Terminen pro Abend zu spielen ist die Regel, nicht die Ausnahme: In der Herz-Jesu-Kirche folgen um 18.15 und 20.30 Uhr zwei verschiedene Programme aufeinander, in der Heilandskirche um 18.30 und 20.30 Uhr. Wer das frühe Konzert bucht, muss den Raum danach zügig verlassen, weil das zweite Publikum schon wartet.
Was gespielt wird
Das Grazer Programm ist überwiegend Pop und Filmmusik in Streicherbearbeitung, nicht Kammermusikliteratur. Die Abende tragen Namen wie „Ed Sheeran & Coldplay", „Queen & ABBA", „Queen & the Beatles", „Tribut an Hans Zimmer", „90er Jahre Unplugged", „Das Beste der 80er", „Rock-Hymnen in Klassikversion", „Disney Love Songs" und Tributabende für Adele, Taylor Swift, Michael Jackson und Phil Collins. Klassik im engeren Sinn gibt es punktuell, etwa mit Vivaldis „Vier Jahreszeiten" oder einem Abend „Mozart vs. Beethoven".
Ein Beispielprogramm macht das Prinzip deutlich. Der Queen-Beatles-Abend beginnt mit sechs Beatles-Stücken von „Here Comes The Sun" über „Blackbird" und „Yesterday" bis „All You Need Is Love" und geht dann in den Queen-Block über: „Love Of My Life", „Another One Bites The Dust", „I Want To Break Free", „We Are The Champions", „We Will Rock You", „Radio Ga-Ga" und zum Schluss „Bohemian Rhapsody". Beim Adele-Abend stehen 13 Titel auf dem Zettel, von „Hello" bis „Rolling in the Deep".
Wichtig für die Erwartungshaltung: Die Programme sind ausdrücklich als vorläufig gekennzeichnet, und die Konzerte sind Tributformate ohne Verbindung zu den Originalkünstlerinnen und -künstlern. Es singt niemand - gespielt wird instrumental im Streichquartett.
Wer in Graz spielt
Zwei Ensembles teilen sich den Grazer Spielplan. Das Streichquartett Modern Strings übernimmt den größeren Teil der Termine, dazu kommen Abende der United Intonations. Beide werden auf den Terminseiten datumsgenau ausgewiesen, was ungewöhnlich transparent ist: Beim Ed-Sheeran-Programm etwa spielt Modern Strings am 25. September, 17. Oktober und 3. Dezember 2026, United Intonations am 28. November 2026 und 7. Jänner 2027.
Die Besetzung bleibt konstant bei vier Streichern. Wer klassische Grazer Ensembles in großer Besetzung sucht, ist bei der Oper Graz oder in den Konzertreihen des Congress besser aufgehoben - Candlelight arbeitet bewusst mit dem kleinen Format.
Die Herz-Jesu-Kirche als Konzertraum
Der häufigste Spielort ist zugleich der spektakulärste. Die Herz-Jesu-Kirche in der Sparbersbachgasse hat mit 109,6 Metern den dritthöchsten Kirchturm Österreichs. Erbaut wurde sie ab dem Spatenstich 1881 nach Plänen von Georg Hauberrisser, dem Architekten des Münchner Rathauses. 1887 wurde das Kreuz auf die Turmspitze gesetzt, am 5. Juni 1891 weihte Fürstbischof Johann Baptist Zwerger die Kirche.
Akustisch entscheidend ist eine Planungsentscheidung des 19. Jahrhunderts: Zugunsten eines stützenfreien Innenraums bekam die Kirche ein großes Hochschiff. Der Raum hat also keine Säulenreihen, die den Klang brechen - dafür einen langen Nachhall, der schnelle Passagen verwischt und langsame trägt. Die Pfarre selbst beschreibt Bau und Ausstattung, darunter den Zelebrationsaltar von Gustav Troger aus gebohrten Stahlplatten, auf ihrer Seite zur Kirchengeschichte.
Ein praktischer Punkt, den Besucherbewertungen regelmäßig nennen: Die Kirche wird für die Konzerte nicht auf Wohnzimmertemperatur geheizt. Zwischen Oktober und März ist eine Jacke im Innenraum keine Übervorsicht.
Die Heilandskirche am Kaiser-Josef-Platz
Der zweite Kirchenstandort ist kleiner, zentraler und historisch älter. Die evangelische Heilandskirche geht auf ein Toleranzbethaus zurück: 1824 kaufte der Seilermeister Johann Kirste am damaligen Holzplatz vor der Stadt - dem heutigen Kaiser-Josef-Platz - einen Baugrund, schenkte ihn der Gemeinde und stiftete 5.000 Gulden für den Bau. Am 6. April 1824 begann die kleine Gemeinde mit einem dreigeschossigen Gebäude im Stil eines Biedermeier-Wohnhauses, das neben dem Betsaal auch Wohnungen und ein Schulzimmer enthielt. Die heutige Gestalt mit Turm und hohen Kirchenfenstern entstand erst in den 1850er-Jahren. Die Pfarrgemeinde hat den Ablauf auf ihrer Seite zur Kirchengeschichte Jahr für Jahr dokumentiert.
Für Konzertbesucher heißt das: kleinerer Raum, kürzerer Nachhall, dazu Balkonplätze als eigene Ticketkategorie. Wer Streicher lieber trocken und direkt hört als hallig, bucht hier. Der Platz selbst ist Standort des Bauernmarkts und liegt zehn Gehminuten vom Hauptplatz entfernt.
Open Air in den Kasematten
Im Sommer verlässt die Reihe die Kirchen und geht auf den Schlossberg. Die Schlossbergbühne in den Kasematten spielt Candlelight open air, mit Einlass bereits 60 Minuten vor Konzertbeginn und einem Zonenmodell von A bis F. Der Aufstieg gehört zum Abend dazu, entweder über den Schlossbergsteig, den Lift oder die Standseilbahn. Was Sie sonst oben erwartet, steht im Beitrag zum Grazer Schlossberg.
Der akustische Unterschied ist erheblich. Im Freien fehlt der Kirchenhall komplett, dafür sitzt man in einem Felsenrund unter offenem Himmel. Wetterfeste Kleidung ist Pflicht, und die günstigen Zonen sind bei diesen Terminen erfahrungsgemäß als Erstes vergriffen.
Worauf Sie beim Buchen achten sollten
- Zone D lohnt sich fast immer. Weil innerhalb der Zone freie Platzwahl gilt, entscheidet die Ankunftszeit über den Platz. Wer 20 Minuten vor Einlass da ist, sitzt in Zone D oft besser als ein spät ankommender Zone-B-Gast.
- Der Preis ist termingebunden, nicht programmgebunden. Dasselbe Programm kostet je nach Datum zwischen 16 und 39,50 Euro im Einstieg. Ein Blick auf die Alternativtermine im selben Monat spart regelmäßig zweistellige Beträge.
- Pünktlichkeit ist bindend. Kein Nacheinlass heißt bei ausverkauften Terminen tatsächlich: Ticket verfallen.
- Kälte einplanen. Kirchenräume im Winter, Freiluft im Sommer - beides ist keine Saalbestuhlung mit Klimatisierung.
- Zwei Konzerte pro Abend bedeuten straffe Wechsel. Für ein Abendessen davor sollten Sie Zeitpuffer lassen, die Restaurantdichte rund um den Kaiser-Josef-Platz und die Sparbersbachgasse ist hoch.
Wo die Reihe im Grazer Konzertjahr steht
Candlelight ist ein internationales Franchise, das nach Angaben des Veranstalters in über 100 Städten läuft. Das erklärt sowohl die Stärke als auch die Grenze des Formats: Die Programme sind erprobt und funktionieren verlässlich, sie sind aber nicht für Graz entwickelt. Wer lokale Ensembles und eigens kuratierte Programme sucht, findet sie in den Häusern der Stadt - eine Einordnung geben die Übersichten zu den Veranstaltungsorten in Graz und zur Grazer Musikszene.
Als Einstieg funktioniert die Reihe trotzdem gut, weil sie zwei Dinge verbindet, die im regulären Konzertbetrieb selten zusammenkommen: ein Repertoire, das man ohne Vorbereitung mitsingen könnte, und Räume, die man sonst nur zu Gottesdiensten oder Führungen betritt. Für viele Grazerinnen und Grazer ist der Candlelight-Abend das erste Mal, dass sie in der Herz-Jesu-Kirche sitzen, ohne dass ein Gottesdienst stattfindet.