Die Oper Graz: Haus, Spielplan und Kartenpreise
1.200 Plätze, über 40 Logen, eröffnet 1899: das zweitgrößte Opernhaus Österreichs. Mit der Spielzeit 2026/27, allen zehn Preiskategorien und den Wegen zu günstigen Karten.
Ein Haus, das die Sparkasse der Stadt geschenkt hat
Die Oper Graz steht seit 16. September 1899 am Opernring. Eröffnet wurde sie mit Schillers „Wilhelm Tell", erst am Tag darauf gab es mit Richard Wagners „Lohengrin" die erste Oper. Gebaut haben das Haus Ferdinand Fellner und Hermann Helmer, das renommierteste Architektenduo der Monarchie, das auch die Volksoper Wien und ein Dutzend weiterer Theater in Mitteleuropa entworfen hat. Finanziert wurde der Bau von der Steiermärkischen Sparkasse, die das fertige Opernhaus der Stadt Graz schenkte - eine Gedenktafel im Foyer erinnert daran.
Der Zuschauerraum fasst rund 1.200 Sitzplätze und über 40 Logen, gehalten in Gold, Weiß und Rot. Damit ist Graz nach der Wiener Staatsoper das zweitgrößte Opernhaus Österreichs. Die Geschichte reicht weiter zurück als das Gebäude: Schon 1736 wurde eine umgebaute Remise der Hofstallungen für Opernaufführungen genutzt, 1776 eröffnete am Freiheitsplatz das Ständische Theater, an dessen Stelle heute das Schauspielhaus steht. Ab 1864 spielte die Oper in der Thalia am Stadtpark, einem adaptierten zwölfeckigen Zirkusbau mit fast 2.000 Plätzen.
Was aus diesem Haus hervorging, liest sich wie ein Register der österreichischen Musikgeschichte: Franz Schalk, später Direktor der Wiener Staatsoper, Clemens Krauß und Karl Böhm dirigierten hier, Robert Stolz begann als Kapellmeister, bevor er zum Komponisten der leichten Muse wurde. Angelika Kirchschlager gab in Graz ihr Rollendebüt als Octavian im „Rosenkavalier". 1906 fand hier unter der Leitung des Komponisten die österreichische Erstaufführung von Richard Strauss' „Salome" statt. 2001 wurde das Haus zum Opernhaus des Jahres gewählt, 2015 und 2018 stand es bei den International Opera Awards im Finale.
Was 2026/27 auf dem Spielplan steht
Die Spielzeit 2026/27 umfasst auf der Hauptbühne dreizehn Produktionen quer durch Oper, Operette, Musical und Ballett. Angesetzt sind unter anderem Berlioz' „La Damnation de Faust", Puccinis „La Bohème" - sowohl konzertant als auch szenisch -, Dvořáks „Rusalka", Strauss' „Elektra", Mozarts „Così fan tutte" und Prokofjews „Romeo und Julia". Dazu kommen das Musical „Im Weißen Rössl", die Familienproduktion „Tom Sawyer" sowie mit „Perfect Match", „Follia!", „Monster's Paradise" und „Ikarus" mehrere Eigenproduktionen des Hauses.
Neben dem Bühnenprogramm spielen die Grazer Philharmoniker unter Chefdirigent Vassilis Christopoulos eine eigene Konzertreihe: Eröffnungskonzert, Advent in der Oper, zwei Neujahrskonzerte um 15:00 und 19:30 Uhr, ein Sonderkonzert und das Abschlusskonzert. Für junges Publikum gibt es concerTeen sowie Schul- und Familienkonzerte in der günstigsten Preiskategorie.
Dazu kommen Gastspiele und Sonderformate, die das Haus über die Klassik hinaus öffnen: Pizzera & Jaus mit folkshilfe, die Opernredoute, „Die letzten Tage der Menschlichkeit?", Musical Moments, „Graz is Wöd 19", das Traumschiff Graz und die Berlin Comedian Harmonists. Ein Blick in den Kalender lohnt also auch für alle, die mit Oper im engeren Sinn wenig anfangen können.
Die Preise: von 3 bis 123 Euro
Das Haus arbeitet mit zehn Preiskategorien von A bis J und sechs Platzkategorien plus Stehplatz. Welche Preiskategorie gilt, hängt von Produktion und Wochentag ab - Premieren und Silvestervorstellungen sind am teuersten, Sonntag bis Donnerstag ist günstiger als Freitag und Samstag.
| Preiskategorie | Kat. 1 | Kat. 3 | Kat. 5 | Kat. 6 | Stehplatz |
|---|---|---|---|---|---|
| A (Premieren, Silvester) | 123 € | 96 € | 45 € | 28 € | 10 € |
| C | 101 € | 75 € | 30 € | 20 € | 8 € |
| E | 86 € | 63 € | 25 € | 16 € | 7 € |
| G | 71 € | 51 € | 20 € | 11 € | 5 € |
| I | 38 € | 28 € | 9 € | 6 € | 3 € |
| J (Schul- und Familienkonzerte) | 32 € | 21 € | 9 € | 6 € | 3 € |
Der günstigste Weg ins Haus ist damit der Stehplatz ab 3 Euro. Wer sitzen will, kommt in den hinteren Kategorien schon ab 6 bis 20 Euro unter. Die vollständige Tabelle mit allen zehn Kategorien und die Zuordnung jeder Produktion stehen auf der Preisseite der Oper Graz. Stand August 2026.
Deutlich günstiger sind die Nebenformate: Kammerkonzerte im Café Stolz kosten 25 Euro, Ballett Inside 18 Euro, Tanzabende auf der Studiobühne 25 bis 30 Euro. Die Espressokonzerte und die Stückeinführungen sind gratis. „Vorhang auf!" und „Vor der Premiere" kosten je 6 Euro, die Kostprobe 7 Euro, das Open Studio 8 Euro.
Wer unter 27 ist, zahlt die Hälfte
Die Ermäßigungen der Oper sind großzügiger, als viele wissen. Kinder und Jugendliche unter 19 sowie Lehrlinge, Studierende, Präsenz- und Zivildiener unter 27 bekommen 50 Prozent auf die Hauptbühne, und zwar auch bei Premieren. Menschen mit Behinderung zahlen ebenfalls die Hälfte, die eingetragene Begleitperson ebenso.
Noch günstiger sind die Last-Minute-Karten an der Abendkassa: Für alle unter 27 mit gültigem Ausweis gilt ein Einheitspreis von 8 Euro, unabhängig von der Platzkategorie. Wer flexibel ist, sitzt damit für den Preis von zwei Kaffees in einer Vorstellung, für die andere 80 Euro zahlen.
Dazu kommen Nachlässe für weitere Gruppen: Abonnentinnen und Abonnenten zahlen für Vorstellungen außerhalb ihres Abos 30 Prozent weniger als den Einzelkartenpreis, Ö1-Club-Mitglieder 10 Prozent, Ö1-intro-Mitglieder unter 30 immerhin 30 Prozent. Reisegruppen ab 20 Personen bekommen 20 Prozent und je 20 Personen eine Freikarte, Schul- und Kindergartengruppen 50 Prozent samt Freikarten für Begleitpersonen. Inhaber des Steirischen Familienpasses und Kundinnen der Steiermärkischen Sparkasse erhalten je 10 Prozent. Alle Details stehen auf der Ermäßigungsseite des Hauses.
Die Grazer Philharmoniker
Das Orchester des Hauses feierte 2025 sein 75-Jahr-Jubiläum, das Eröffnungskonzert am 20. September 2025 trug den Titel „Heroes!". Seit der Saison 2023/24 leitet Vassilis Christopoulos die Grazer Philharmoniker und die Oper als Chefdirigent. Das Orchester spielt nicht nur im Opernhaus, sondern auch die Konzerte im Musikverein für Steiermark, deren Ehrenmitgliedschaft es zuletzt erhalten hat.
Wer die Musikerinnen und Musiker aus der Nähe erleben will, geht in die Kammerkonzerte im Café Stolz im Spiegelfoyer der Oper - kleine Besetzungen, 25 Euro Eintritt und eine Akustik, die mit dem großen Saal nichts zu tun hat. Details zum Orchester und den Abonnements stehen auf der Seite der Grazer Philharmoniker.
Führungen hinter die Kulissen
Wer das Haus ohne Vorstellung sehen will, bucht eine Führung: 8 Euro für Erwachsene, 7 Euro für Studierendengruppen und 4 Euro für Schulgruppen. Gezeigt werden Zuschauerraum, Foyers und - je nach Probenbetrieb - die Bühne mit ihrer Technik. Für Fotoproduktionen lässt sich das Haus ebenfalls mieten, was den gründerzeitlichen Zuschauerraum regelmäßig in Hochzeitsalben bringt.
Ein zweiter Weg hinter die Kulissen führt über den Förderkreis der Oper: Mitglieder bekommen Zutritt zu Probenbesuchen. Und wer selbst aktiv werden will, findet mit den Hobbytanzkursen von TanzAktiv! und den Mitmachangeboten von OperAktiv! Formate, die ausdrücklich für Menschen ohne Vorkenntnisse gedacht sind.
Karten kaufen, ohne draufzuzahlen
Der Verkauf läuft über das Ticketzentrum am Kaiser-Josef-Platz 10, das die Karten für alle drei Häuser der Bühnen Graz führt. Im Sommer gelten eingeschränkte Zeiten: Von 13. Juli bis 29. August 2026 ist von Montag bis Freitag von 9:00 bis 14:00 Uhr und samstags von 9:00 bis 13:00 Uhr offen, ab 31. August wieder regulär.
Drei Hinweise für alle, die regelmäßig gehen. Erstens der Sommerbonus: Von 1. Juli bis 31. August gibt es Tickets für das Eröffnungskonzert und „La Damnation de Faust" um 20 Prozent günstiger. Zweitens das Abonnement, das gegenüber Einzelkarten spart und feste Plätze sichert. Drittens die Ermäßigungen - für Studierende, Lehrlinge, Präsenz- und Zivildiener gibt es eigene Tarife, dazu Restkarten kurz vor Vorstellungsbeginn.
Zur aktuellen Lage gehört auch eine personelle Nachricht: Intendant Ulrich Lenz hat sich in einem Statement zur Entscheidung geäußert, seinen Vertrag nicht zu verlängern. Die kommenden beiden Spielzeiten sind davon nicht betroffen und laufen wie geplant.
Der erste Opernbesuch
Zwei Fragen kommen immer wieder. Erstens die Kleidung: Es gibt keine Vorschrift. Zu Premieren und zur Opernredoute kleidet sich das Publikum festlich, an einem gewöhnlichen Dienstag sitzen Jeans neben Anzug. Wer sich unwohl fühlt, liegt mit Hemd oder Bluse immer richtig.
Zweitens die Auswahl des Stücks. Für den Einstieg eignen sich Werke mit klarer Handlung und bekannten Melodien besser als Regietheater-Experimente - „La Bohème" und „Im Weißen Rössl" sind in dieser Spielzeit die naheliegenden Kandidaten. Wer sich vorbereiten will, nimmt die gratis Stückeinführung mit, die vor vielen Vorstellungen stattfindet, oder die Kostprobe um 7 Euro. Übertitel laufen bei fremdsprachigen Produktionen mit.
Und die Dauer: Ein Opernabend dauert samt Pause meist zweieinhalb bis dreieinhalb Stunden. Wer am nächsten Tag früh raus muss, greift zu den kürzeren Formaten auf der Studiobühne oder zu einem Kammerkonzert im Café Stolz.
Anreise, Gastronomie und das Drumherum
Das Opernhaus liegt am Opernring, wenige Schritte vom Jakominiplatz und damit vom Knotenpunkt aller Straßenbahnlinien. Wer mit dem Auto kommt, parkt in den Garagen der Innenstadt; welche wann günstiger ist, steht in unserem Artikel zum Parken in Graz. Das Haus ist barrierefrei zugänglich, für blinde und sehbehinderte Gäste gibt es unter dem Titel „Hören, was andere sehen" Audiodeskription.
Im Haus selbst gibt es das Café Stolz, benannt nach dem Kapellmeister, der hier begann - es ist auch Spielort für die Kammerkonzerte. Für das Essen davor oder danach eignet sich die Innenstadt: Adressen mit später Küche sammelt unser Überblick zu den Lokalen mit später Küche in Graz.
Wer das gesamte Bühnenangebot der Stadt sucht, von der freien Szene bis zum Kindertheater, findet es in unserem Theater-Überblick. Und wenn Sie wissen wollen, wie groß die anderen Häuser sind und wo welche Veranstaltungen stattfinden: Das steht im Artikel zu den Veranstaltungsorten in Graz.