Das ppc in der Neubaugasse: Grazer Club mit zwei Bühnen
173 Veranstaltungen in zwölf Monaten, zwei Floors, freitags gratis bis Mitternacht. Was das ppc am Lendplatz spielt, wie die Hausordnung aussieht und warum keine Rucksäcke hineindürfen.
Zwei Floors, zwei Größenordnungen
Das ppc arbeitet mit zwei getrennten Räumen, die sich in der Größe deutlich unterscheiden - und das entscheidet, was an einem Abend möglich ist. Der ppc-Mainfloor nimmt die großen Konzerte und die Freitags- und Samstagsclubs auf, die ppc-Bar ist die kleine Schwester für Auftritte vor überschaubarem Publikum und für Technoabende mit eigener Handschrift.
| Raum | Bühnenbreite | Bühnentiefe | Bühnenhöhe | Durchgangshöhe |
|---|---|---|---|---|
| ppc Mainfloor | 10 m | 3,5 bis 5 m | 1,16 m | 3,2 m |
| ppc Bar | 7 m | 3 m | 0,8 m | 3 m |
Die Zahlen sind aussagekräftiger als jede Stimmungsbeschreibung. Eine Bühne mit 3,5 Metern Tiefe und 1,16 Metern Höhe heißt: Die Band steht dicht am Publikum, ein aufwendiges Bühnenbild passt nicht hinein, und man sieht auch aus der dritten Reihe noch, welche Saite gerade gegriffen wird. Für die Bar mit 80 Zentimetern Bühnenhöhe gilt das in noch schärferer Form.
An manchen Abenden laufen beide Räume gleichzeitig mit unterschiedlicher Musik. Bei der offiziellen Afterparty des Lendstrom-Festivals Ende August 2026 etwa spielte der 2nd Floor House, Techhouse und Techno, während am nächsten Abend am 1st Floor Drum and Bass lief.
Wo das Haus steht
Die Adresse lautet Neubaugasse 6, 8020 Graz, also im Bezirk Lend, ein paar Schritte vom Lendplatz entfernt. Das ist keine Nebensache, sondern erklärt einen Gutteil des Publikums: Rundherum liegen die Lokale, in denen man vor dem Konzert isst, und die Straßenzüge, in denen der Abend danach weitergeht. Der Bezirk selbst steht im Porträt zu Lend.
Mit den Öffis erreichen Sie das Haus über zwei Achsen: die Buslinien 40, 58, 63 und 67 bis zur Haltestelle Lendplatz sowie die Straßenbahnlinien 4 und 5 bis zur Keplerbrücke. Nachts übernehmen die Nachtbusse N3 (Lendplatz) und N5 (Keplerbrücke) - relevant, weil die Clubabende regelmäßig bis 4 Uhr früh laufen. Die aktuellen Zeiten stehen bei den Fahrplänen der Holding Graz, die Grundlagen zu Zonen und Tickets im Öffi-Guide für Graz.
173 Veranstaltungen in zwölf Monaten
Wie dicht der Betrieb tatsächlich ist, lässt sich am eigenen Kalender des Hauses ablesen: Zwischen August 2025 und Juli 2026 standen dort 173 Termine. Das sind im Schnitt mehr als drei Veranstaltungen pro Woche, verteilt auf drei Kategorien, die das ppc selbst unterscheidet: Konzert, Clubbing und Party.
Die Trennung ist keine Formalie. Konzerte beginnen fast durchgehend um 19 Uhr und enden früh genug, dass danach noch ein Clubabend im selben Haus starten kann. Partys und Clubbings beginnen um 22 oder 23 Uhr und laufen bis 4 Uhr. An einem Samstag im September 2026 stand deshalb um 19 Uhr eine Band auf der Bühne und um 22 Uhr die nächste Veranstaltung im Kalender.
Die festen Clubschienen
Ein Teil des Programms wiederholt sich in festen Reihen, und die tragen den Wochenbetrieb:
- FRIDAY I'M IN LOVE - der 90er- und 2000er-Club jeden Freitag am Mainfloor, kuratiert von DJ Naastik und DJ Kollegen, mit Pop, Rock, Dance, Alternative und Hip-Hop.
- Völlig Losgelöst - die 80er-Party in Kooperation mit dem Soundportal, mit NDW-Titeln und Klassikern des Jahrzehnts.
- Hey Ya! Die 00er Party - Charthits, Rockhymnen und Tanzbares aus den Jahren 2000 bis 2009.
- The Red Flag Club - monatliche Rockschiene mit Hits der 80er, 90er und 2000er plus aktuellen Titeln.
- Dickes G - der deutschsprachige Klub, unregelmäßig im Kalender.
- I love the 90's - Ableger der Freitagsreihe mit engerem Zeitfenster.
Praktisch relevant ist ein wiederkehrender Zusatz im Veranstaltungstitel: „Gratis bis Mitternacht" beziehungsweise „Gratiseintritt bis Mitternacht". Bei den Freitags- und Samstagsclubs kostet der Eintritt bis 24 Uhr nichts, danach wird kassiert. Wer den Abend früh beginnt, spart also den Eintritt vollständig - bei der Freitagsreihe kommt zwischen 23 und 24 Uhr zusätzlich eine Happy Hour dazu.
Konzerte im Herbst 2026
Der Konzertteil ist breiter aufgestellt, als der Ruf als Clubadresse vermuten lässt. Die Spanne reicht von steirischen Bands über internationale Tourstopps bis zu Tributformaten. Ein Ausschnitt aus dem Programm zwischen September und Dezember 2026:
| Datum | Act | Beginn |
|---|---|---|
| 5. September 2026 | Ductape (Post-Punk-Duo aus der Türkei) | 19.00 Uhr |
| 14. September 2026 | IAMX | 19.00 Uhr |
| 26. September 2026 | Black Sea Dahu | 19.00 Uhr |
| 3. Oktober 2026 | Öasis - The Austrian Tribute Band | 19.00 Uhr |
| 7. Oktober 2026 | 1000mods | 19.00 Uhr |
| 11. und 18. Oktober 2026 | Local Heroes Styria | 17.00 Uhr |
| 22. Oktober 2026 | Steaming Satellites | 19.00 Uhr |
| 24. Oktober 2026 | Justin Sullivan und Dean White (New Model Army) | 19.00 Uhr |
| 30. Oktober 2026 | Fiddler's Green, 35 Years Tour | 19.00 Uhr |
| 14. November 2026 | Modestep | 19.00 Uhr |
| 9. Dezember 2026 | Chuck Ragan | 19.00 Uhr |
| 15. Dezember 2026 | Kadavar | 19.00 Uhr |
Auffällig ist der Anteil an Release-Shows und Nachwuchsformaten. Im Oktober 2026 stehen gleich mehrere davon im Kalender, dazu an zwei Sonntagen der Local Heroes Styria-Bandwettbewerb mit Beginn um 17 Uhr. Für steirische Bands ist das Haus damit eine der wenigen Bühnen, auf denen man vor Publikum spielt, ohne schon eine Fanbasis mitzubringen. Den aktuellen Stand führt das Haus in seiner Konzertübersicht, das gesamte Programm samt Clubterminen unter popculture.at.
Die elektronische Schiene
Neben den Retro-Clubs läuft im Haus eine zweite, härtere Linie, die vor allem die ppc-Bar bespielt. Die Reihe Overload holt Underground, New School und Hard Techno nach Graz - am 12. September 2026 etwa mit Mario Ranieri und SCHROOMP von den Filterheadz, mit Beginn um 20 Uhr und damit deutlich früher als ein üblicher Clubabend. Zwei Wochen später, am 25. September 2026, präsentieren I.ONE und das Soundportal ein DJ-Set von Pendulum am Mainfloor.
Dazu kommen die Kooperationen mit Festivals aus dem Bezirk. Bei der offiziellen Afterparty von Tomorrowlend lief die Veranstaltung am 28. und 29. August 2026 zweistufig: von 15 bis 22 Uhr am Lendplatz, danach von 22 bis 4 Uhr im ppc, am ersten Abend mit House, Techhouse und Techno, am zweiten mit Drum and Bass. Solche Doppelungen funktionieren nur, weil das Haus fußläufig am Platz liegt - ein Grund, warum es bei Lendviertel-Festivals regelmäßig als Nachtquartier auftaucht.
Der Eintritt folgt bei diesen Terminen nicht immer der Gratis-bis-Mitternacht-Logik der Hausreihen. Bei Fremdveranstaltern und angekündigten Line-ups wird in der Regel ab Beginn kassiert, oft im Vorverkauf günstiger als an der Abendkassa.
Die Hausordnung, die überrascht
Drei Regeln sorgen regelmäßig für Diskussionen am Eingang, und alle drei stehen offen auf der Infoseite des Hauses:
Taschenverbot seit 2017. Taschen, Rucksäcke, Turnbeutel und Plastiktüten dürfen nicht mit hinein, sobald ihre größte Seite größer als DIN A4 ist, also über 21 mal 29,7 Zentimeter. Kleinere Taschen müssen beim Einlass geöffnet werden. An der Garderobe gibt es kostenpflichtige Aufbewahrung, passende Beutel können gegen 2 Euro Einsatz ausgeliehen werden. Bei Fremdveranstaltern können strengere Regeln gelten.
Altersgrenzen nach Endzeit. Bei Konzerten, die vor 23.30 Uhr enden, gilt das Steiermärkische Jugendschutzgesetz. Alles, was nach 22 Uhr beginnt, fällt unter Nachtgastronomie - dann ist der Zutritt erst ab 18 Jahren möglich. Kontrolliert wird mit amtlichem Lichtbildausweis, Fotos oder Kopien werden nicht anerkannt. Für die frühen Konzerttermine um 19 Uhr heißt das: Jugendliche kommen hinein, für den Club danach nicht mehr.
Keine mitgebrachten Getränke. Speisen und Getränke dürfen nicht mit ins Haus, und ebenso wenig dürfen Getränke aus dem Haus vor die Tür getragen werden, auch nicht in Bechern. Der zweite Teil ist der, an dem sich Besucher öfter stoßen.
Barrierefreiheit
Hier trennt das Haus klar zwischen den beiden Räumen: Der Mainfloor ist barrierefrei zugänglich, verfügt aber über kein Behinderten-WC. Die ppc-Bar ist nicht barrierefrei. Wer im Rollstuhl kommt, sollte also vorher prüfen, in welchem der beiden Räume die Veranstaltung stattfindet - das steht in der Terminübersicht jeweils dabei, als „ppc MAIN" oder „ppc BAR".
Seit 2002 im Betrieb
Hinter dem Kürzel steht die ProjektPopCulture Gesellschaft zur Förderung der Popkultur und der Kulturwirtschaft m.b.H., gegründet am 4. Juli 2002. Geführt wird sie von Christina Breuß-Vaterl. Der Firmenname ist ungewöhnlich sperrig für einen Club, beschreibt aber genau den Zuschnitt: kein reiner Diskothekenbetrieb, sondern ein Haus, das Konzerte, Clubabende und Fremdveranstaltungen mischt.
Zwei Jahrzehnte später ist das ppc damit einer der wenigen Grazer Orte, an denen dieselbe Bühne an einem Wochenende eine internationale Tourband, einen Bandwettbewerb und eine 80er-Party trägt. Wo sich das Haus zwischen den anderen Bühnen der Stadt einordnet, zeigt die Übersicht der Veranstaltungsorte in Graz. Die kleineren Spielstätten und die Bandszene rundherum stehen im Beitrag zur Live-Musik in Graz, die Clubschiene im Überblick zu Clubs und Techno in Graz.
Selbst veranstalten
Beide Räume lassen sich anmieten, einzeln oder gemeinsam, für Konzerte, Partys und geschlossene Veranstaltungen. Terminanfragen und Konditionen laufen über die Adresse [email protected], Fragen zum Programm über [email protected], technische Anfragen über [email protected]. Für die Technik nennt das Haus Peter Droneberger als Ansprechpartner. Die vollständigen Kontaktwege stehen auf der Kontaktseite.
Ein Detail für Veranstalter: Das Haus stellt Logodateien in CMYK und Schwarz als PNG und PDF zum Download bereit, was die Ankündigungsarbeit spürbar vereinfacht. Tickets für die eigenen Termine laufen über bringticket.com, an der Abendkassa gilt der Tagespreis.
Wann sich der Weg lohnt
Für Konzerte ist das ppc die Grazer Adresse in der Größenklasse zwischen Bar und Halle: zu klein für Arenatouren, zu professionell ausgestattet für einen improvisierten Abend. Wer eine Band sehen will, bevor sie in die Orpheum-Kategorie aufsteigt, hat hier gute Chancen.
Für Clubabende gilt eine simple Rechnung: Wer vor Mitternacht kommt, zahlt bei den Freitags- und Samstagsreihen nichts. Wer nach 1 Uhr kommt, zahlt Eintritt und findet einen vollen Raum vor. Die Nachtbusse N3 und N5 lösen die Heimfahrt, und wer im Bezirk bleibt, hat am Lendplatz noch mehrere Möglichkeiten - nachzulesen im Überblick zu den Pubs in Graz und den Lokalen mit später Küche.