Stefaniensaal Graz: Der Konzertsaal, der dem Wiener Musikverein ähnelt
640 Quadratmeter, elfeinhalb Meter Raumhöhe und eine Akustik, die eine TU-Messung mit dem Großen Saal in Wien vergleicht. Was den Saal im Congress Graz seit 1885 auszeichnet.
Ein Saal mit vermessener Akustik
Der Stefaniensaal ist der größte Raum im Congress Graz und gilt als einer der akustisch besten Konzertsäle Österreichs. Das Haus hat zwei Adressen: Die Betreiberin MCG führt es unter Albrechtgasse 1, der Musikverein nennt für die Konzertsäle Sparkassenplatz 1 - es ist dasselbe Gebäude mit zwei Seiten. Ungewöhnlich ist, dass dieser Ruf nicht nur auf Hörgewohnheiten beruht, sondern gemessen wurde: Im Mai 2021 führte die TU Graz im Saal eine Laborübung zur Raumakustik durch.
Das Ergebnis fiel eindeutig aus. Das Laborprotokoll kommt zum Schluss, dass der Saal sowohl für orchestrale als auch für kammermusikalische Darbietungen bestens geeignet ist - und stellt fest, dass er in Bauweise und akustischem Verhalten dem Großen Saal des Wiener Musikvereins ähnelt. Für einen Konzertsaal ist das der denkbar höchste Vergleich.
Die bauliche Erklärung dafür liegt in den Proportionen. Der Stefaniensaal ist ein klassischer Schuhschachtelsaal: lang, schmal, hoch.
| Maß | Angabe |
|---|---|
| Grundfläche | 640 m² |
| Galerie zusätzlich | 385 m² |
| Länge | 40 m |
| Breite | 16 m |
| Höhe | 11,5 m |
| Bestuhlung | Reihen, Bankett, Seminar, Cocktail |
Das Verhältnis von 40 zu 16 Metern bei 11,5 Metern Raumhöhe entspricht genau jenem Bautyp, der im 19. Jahrhundert für Konzertsäle üblich war und sich akustisch bis heute nicht überholen ließ. Die technischen Angaben stehen in der Raumübersicht der MCG zum Congress Graz.
Eröffnet 1885, benannt nach der Kronprinzessin
Der Saal wurde am 4. November 1885 mit einem Festkonzert des Musikvereins für Steiermark eröffnet. Anwesend war das Thronfolgerpaar: Kronprinz Rudolf und Kronprinzessin Stephanie - nach ihr trägt der Saal seinen Namen. Der Architekt war Matthias Seidl.
Ab 1905 folgte ein Umbau, bei dem der Saal vergrößert und das Congress-Gebäude erweitert wurde. In diesem Zuge entstanden das heutige Foyer mit Feststiege und Glaskuppel sowie der Kammermusiksaal. Verantwortlich war Baurat Leopold Theyer, die Arbeiten liefen als Erweiterung des Sparkassengebäudes.
Am 28. November 1908 wurde die Schlusssteinurkunde in den Sockel der Beethoven-Statue versenkt, die unter der Glaskuppel den Mittelpunkt des Treppenhauses bildet. Der Text der Urkunde wünscht den Sälen, dass sie der Kunst und Wissenschaft dienen mögen und künftigen Generationen vom künstlerischen Geist ihrer Erbauer Zeugnis geben. Wer heute die Feststiege hinaufgeht, geht an dieser Urkunde vorbei, ohne sie zu sehen.
Die anderen Säle im Haus
Der Congress Graz umfasst insgesamt 19 Räume auf 2.900 Quadratmetern und fasst bis zu 2.300 Gäste. Für Konzertbesucher sind vor allem vier davon relevant:
| Raum | Fläche | Maße (L x B x H) |
|---|---|---|
| Stefaniensaal | 640 m² plus 385 m² Galerie | 40 x 16 x 11,5 m |
| Kammermusiksaal | 275 m² plus 90 m² Galerie | 28 x 10,8 x 7,7 m |
| Saal Steiermark | 286,54 m² | 19 x 17 x 7,5 m |
| Blauer Salon | 72 m² | 12,25 x 6,5 x 3,9 m |
Der Kammermusiksaal wurde 1908 eröffnet und ist der einzige Grazer Saal, der ausdrücklich für Kammermusik gebaut wurde. Neben der weiß-goldenen Farbgebung prägen ihn Lünettenbilder des Wiener Malers Julius Schmid: Sie zeigen das Schuppanzigh-Quartett, das als erstes professionelles Streichquartett gilt, Mozart mit einem Kammerensemble und Schubert am Klavier. Hier debütierte unter anderem der Pianist Alfred Brendel, heute Ehrenmitglied des Musikvereins. Seit der Saison 2022/23 finden die Kammerkonzerte wieder dort statt.
Der Blaue Salon ist seit der Saison 2020/21 Heimstätte der Salonkonzerte: Studierende der Kunstuniversität Graz spielen dort einstündige Programme. Vor Abo-Konzerten im Stefaniensaal stellen sie sich beim „Musikalischen Aperitif" kurz vor. Daneben dient der Salon für Empfänge. Die Beschreibungen aller Säle stehen auf der Seite des Musikvereins zu seinen Sälen.
Was auf der Bühne steht
Zur festen Ausstattung des Hauses gehören zwei Instrumente, die den Rang des Saals unterstreichen: ein Steinway-D-Konzertflügel und eine Klais-Orgel. Dazu kommen sechs Künstlergarderoben - drei Orchestergarderoben mit 44 bis 50 Quadratmetern, zwei Solistengarderoben mit je rund 20 und eine Dirigentengarderobe mit rund 40 Quadratmetern.
Diese Infrastruktur ist der Grund, warum internationale Orchester in Graz überhaupt Station machen können. Ein Saal ohne ausreichende Garderoben nimmt kein Orchester mit 90 Musikerinnen und Musikern auf, egal wie gut die Akustik ist.
Der Musikverein für Steiermark
Hauptnutzer des Saals ist der Musikverein für Steiermark, der dort Orchester- und Solistenkonzerte, Liederabende und Kinderkonzerte veranstaltet. Der Verein blickt auf eine lange Geschichte zurück - 2015 erschien die Festschrift zum 200-Jahr-Jubiläum, präsentiert im Blauen Salon.
Die Saison 2026/27 beginnt am 28. September 2026 mit den Grazer Philharmonikern unter Anna Rakitina und dem Pianisten Rudolf Buchbinder. Angekündigt sind für die Saison außerdem Auftritte von Plácido Domingo und Maria José Siri.
Ein Format, das über den Konzertbetrieb hinausgeht, ist Young Voices Alpe Adria: Der internationale Gesangswettbewerb läuft in seiner zweiten Auflage von 25. bis 28. August 2026, mit Auditions am 25. und 26., dem Semifinale am 27. und dem Finale am 28. August. Er richtet sich an Sängerinnen und Sänger ab 20 Jahren und ist ohne Teilnahmegebühr. Intendant Michael Nemeth verweist auf die Zahl der Anmeldungen als Beleg für die überregionale Bedeutung des Hauses. Für junge Sängerinnen und Sänger ist das eine der wenigen Gelegenheiten, in einem Saal dieses Rangs vor einer Fachjury und vor Publikum aufzutreten, ohne dafür etwas zu bezahlen. Wo sich das Haus in die Grazer Konzertlandschaft einfügt, zeigt der Überblick zur Grazer Musikszene und die Übersicht der Veranstaltungsorte in Graz.
Karten und Kassa
Der Kartenverkauf des Musikvereins läuft nicht über das Congress-Gebäude, sondern über eine eigene Konzertkassa am Sparkassenplatz 3:
- Montag und Dienstag: 9 bis 18 Uhr
- Mittwoch bis Freitag: 9 bis 15 Uhr
- Telefon: +43 316 82 24 55
Wichtig für die Planung: Die Konzertkassa hat Sommerpause von 11. Juli bis 13. September 2026. In dieser Zeit läuft der Verkauf ausschließlich über den Webshop, Vorreservierungen sind per Mail möglich. Für die Saison 2026/27 gilt eine gestaffelte Freigabe - Festkonzerte und die September-Termine sind bereits erhältlich, alle weiteren Konzerte gehen ab 14. September 2026 in den Verkauf. Den laufenden Spielplan führt der Konzertkalender des Musikvereins.
Die Zyklen der Saison
Das Programm ist in feste Reihen gegliedert, was die Orientierung erleichtert: Festkonzerte, Orchesterkonzerte, Kammerkonzerte, Liederabende, Solistenkonzerte, Familien- und Schulkonzerte, die Frühabendreihe Klassik um 6 sowie das Sonderformat Musikvereinplus.
Ein Blick auf 2026/27 zeigt, wie international besetzt der Saal ist: Am 12. und 13. Oktober 2026 gastiert das Danish Chamber Orchestra unter Adam Fischer, am 15. Dezember 2026 das Estonian National Symphony Orchestra unter Olari Elts mit dem Cellisten Daniel Müller-Schott. Am 12. November 2026 spielt das Jerusalem Quartet im Kammermusiksaal, am 22. Oktober 2026 singt Klaus Florian Vogt einen Liederabend. Die Festkonzerte tragen Plácido Domingo mit María José Siri am 30. November 2026 und Rudolf Buchbinder am 25. Februar 2027.
Wie hoch das Haus im internationalen Konzertbetrieb steht, zeigte der Mai 2026: Beim Festkonzert am 22. Mai spielten die Wiener Philharmoniker unter Riccardo Muti, im Anschluss wurde dem Orchester die Ehrenmitgliedschaft des Musikvereins verliehen - Anlass war das 80-jährige Bestehen der Verbindung zwischen den Philharmonikern und dem Grazer Haus.
Anreise und Service vor Ort
Die Säle öffnen jeweils eine Stunde vor Konzertbeginn. Für die Anreise gilt:
- Straßenbahn: Haltestellen Hauptplatz/Congress oder Andreas-Hofer-Platz.
- Regiobusse: Haltestelle Jakominiplatz.
- Sammeltaxi: In Kooperation mit Taxi 878 kostet die Abholung zuhause und die Fahrt zum Konzert 10,50 Euro, ebenso die Heimfahrt. Bestellt wird am Konzerttag zwischen 10 und 14 Uhr, die Abholzeit kommt per Rückruf zwischen 15 und 16 Uhr. Die Rückfahrt meldet man vor dem Konzert im Foyer an.
- Parken: Die CONTIPARK-Garage am Andreas-Hofer-Platz hat rund um die Uhr geöffnet. Günstiger ist die Weitzer City Garage am Grieskai mit einem ermäßigten Konzertticket um 7 Euro, gültig ab 16 Uhr des Konzerttags bis 8 Uhr früh - das Ausfahrtsticket bekommen Sie im Foyer gegen Vorlage von Einfahrtsticket und Konzertkarte.
Im Haus selbst kostet die Garderobe 2,50 Euro, ausschließlich bar. Das Programmheft liegt bei 3,50 Euro und ist auch im Vorverkauf erhältlich. Verlorene Ersatzkarten gibt es an der Konzertkasse gratis, an der Abendkasse ab 18.30 Uhr gegen 2 Euro.
Für die Barrierefreiheit stehen im Parterre der Konzertsäle Rollstuhlplätze bereit, Begleitpersonen erhalten ermäßigte Karten. Das Parterre ist barrierefrei zugänglich, der Eingang ins Foyer trägt eine taktile Bodenkennzeichnung. Wie Sie ins Zentrum kommen, steht im Öffi-Guide für Graz und im Beitrag zum Parken in Graz.
Nicht nur Konzerte
Der Saal ist keine reine Konzertstätte. Er trägt einen erheblichen Teil der Grazer Ballsaison - unter anderem den Oberlandlerball und den Tuntenball - und wird für Galas, Empfänge, Maturabälle und Hochzeiten genutzt. Was bei einem Ball zum Vorteil wird, ist derselbe Umstand, der ihn akustisch auszeichnet: Ein Saal mit 40 Metern Länge und Galerie bietet Platz für Tanzfläche, Bühne und Zuschauer zugleich.
Dazu kommt der Kongressbetrieb. Graz zählt zu den hundert wichtigsten Kongressstädten weltweit, und der Congress ist dafür die zentrale Adresse in der Innenstadt. Im Saal Steiermark stehen drei Dolmetschkabinen fest installiert - ein Detail, das man in einem Haus von 1885 nicht erwartet und das erklärt, warum internationale Fachtagungen dort stattfinden können.
Für Besucherinnen und Besucher heißt das vor allem eines: Ein und derselbe Raum kann an einem Donnerstag ein Orchesterkonzert tragen, am Freitag einen Kongress und am Samstag einen Ball. Wer die Bandbreite des Hauses sehen will, findet die weiteren Standorte desselben Betreibers im Beitrag zur Messe Graz.