KUG-Redoute in Graz: Sechs Bühnen, Eintritt gegen Spende und eine Nacht in der Kunstuni
Einmal im Jahr wird der Campus der Kunstuniversität zum Ballhaus: sechs Bühnen parallel, mehr als 300 Mitwirkende, vom Streichquartett bis zur Bigband. Eintritt kostet die Redoute nichts - man gibt, was man will.
Die Redoute auf einen Blick
| Was | Angabe |
|---|---|
| Termin 2027 | noch nicht veröffentlicht |
| Letzte Ausgabe | 21. Redoute am 26. Juni 2026 |
| Ort | Campus der Kunstuniversität, Leonhardstraße 15 |
| Beginn | 18.30 Uhr |
| Bühnen | sechs, dazu kleinere Stationen |
| Mitwirkende | mehr als 300 |
| Eintritt | freiwillige Spende zugunsten bedürftiger Studierender |
| Kleidung | keine Vorgabe |
| Veranstalter | Universität für Musik und darstellende Kunst Graz |
Stand September 2026. Programm und Termin veröffentlicht die KUG auf ihrer Redoute-Seite.
Ein Ball, der anders gebaut ist
Wer von der Opernredoute kommt, muss hier umdenken. Es gibt kein Eröffnungskomitee, keine Polonaise, keine Quadrille um Mitternacht und keine Kleiderordnung. Stattdessen läuft der Abend als Lange Nacht: Sechs Bühnen spielen gleichzeitig und durchgehend, dazu kommen kleinere Stationen, und man geht von Raum zu Raum, statt auf einer Tanzfläche zu bleiben.
Bespielt werden die Häuser der Universität selbst - MUMUTH, Palais Meran und Theater im Palais, dazu ein Festzelt auf dem Campus. Das Programm reicht von Kammermusik, Blech- und Salonorchester über Jazz, Pop und Latin bis zu Percussion, Vokalmusik, szenischen und literarischen Beiträgen und Tanz. Gespielt wird von Studierenden und Lehrenden des Hauses.
Vizerektor Werner Strenger beschrieb den Abend 2026 als Einladung, gemeinsam in eine lange Nacht der Vielfalt von Stimmen, Klängen, Bewegungen, Formen und Farben einzutauchen. Das ist weniger blumig, als es klingt: Bei mehr als 300 Mitwirkenden hört man an einem Abend tatsächlich Dinge nebeneinander, die sonst nie im selben Haus stattfinden.
Eintritt gegen Spende
Karten gibt es keine. Der Eintritt ist frei, gebeten wird um eine freiwillige Spende zugunsten bedürftiger Studierender - so hält es die KUG seit Jahren, belegt für 2019, 2023, 2024, 2025 und 2026. Damit ist die Redoute neben dem Ball der Vielfalt der zweite Grazer Ballabend, zu dem man ohne Kartenkauf gehen kann.
Der Unterschied zum Rest der Saison ist beträchtlich. Für eine Eintrittskarte zur Opernredoute zahlt man 280 Euro, für den Ball der Technik gibt es Karten erst ab dem Verkaufsstart im November. Hier entscheidet der Gast, was der Abend wert war.
Die Bühnen und was dort läuft
Die Aufteilung wechselt von Jahr zu Jahr, die Häuser bleiben. 2024 sah sie laut Ankündigung der KUG so aus:
| Bühne | Programm |
|---|---|
| György-Ligeti-Saal im MUMUTH | Walzer, Swing, Pop - die Tanzfläche des Abends |
| Proberaum im MUMUTH | europäische Romantik, Tango, skandinavische Folklore |
| Theater im Palais | Barock, Streicherensembles, Vintage Swing |
| Florentinersaal im Palais Meran | Klavier |
| Meranpark | südostasiatische Intervention im Freien |
Dass der Park zum Programm gehört, ist neu: 2023 wurde der Meranpark bei einer Redoute zum ersten Mal für das Publikum geöffnet. Die Universität gestaltet den Abend außerdem nach den Kriterien des Österreichischen Umweltzeichens für Green Events.
Woran man sich erinnert
Die Programmpunkte, die hängenbleiben, sind selten die großen Ensembles. 2026 tanzte um 22 Uhr der ganze György-Ligeti-Saal „Jerusalema", den Abschluss spielte die KUG Stage Band unter Sigi Feigl. Debütiert hat an diesem Abend außerdem eine Band namens „FlurFunk nach Dienstvorschrift" - besetzt mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus Verwaltung und Bühnentechnik.
2023 gab es auf der Probebühne einen Meet4Music-Workshop mit gemeinsamem Singen und koreanischem Trommelunterricht, Gesangsstudierende zeigten Ausschnitte aus „The Pirates of Penzance", und um Mitternacht wurde gemeinsam mit Universitätsangehörigen getanzt. 2019 standen ein balinesisches Gamelan-Ensemble, ein Drum Circle und eine „Strange Photo-Sound-Booth" auf dem Programm.
Die Ausgaben und ihre Termine
Die Redoute liegt immer am letzten Freitag im Juni, zum Abschluss des Studienjahres.
| Ausgabe | Termin | Notiz |
|---|---|---|
| 17. Redoute | 28. Juni 2019 | Eintritt gegen Spende, T.i.P und MUMUTH bespielt |
| 18. Redoute | 30. Juni 2023 | Rückkehr nach der Pandemiepause, rund 1.000 Gäste, sieben Bühnen |
| 19. Redoute | 28. Juni 2024 | sechs Bühnen, Einlass 18.30, Musik ab 19 Uhr |
| 20. Redoute | 27. Juni 2025 | mehr als 300 Mitwirkende |
| 21. Redoute | 26. Juni 2026 | sechs Bühnen samt Festzelt |
Zwischen der 17. und der 18. Ausgabe liegen vier Jahre - die Pandemie kostete die Redoute drei Termine. Für 2027 stünde die 22. Ausgabe an; folgt sie dem Muster, wäre das der 25. Juni 2027. Bestätigt ist der Termin nicht, die KUG gibt ihn im Frühjahr bekannt.
Zwei Häuser, zweihundert Jahre auseinander
Der Reiz des Abends liegt auch an den Gebäuden. Das Palais Meran in der Leonhardstraße 15 wurde 1841 bis 1843 von Georg Hauberisser dem Älteren im spätklassizistischen Stil gebaut. Bewohnt hat es Erzherzog Johann, der dort am 11. Mai 1859 starb. Seit 1963 ist das Palais der zentrale Sitz der Universität. Der Florentinersaal im ersten Stock trägt seinen Namen nach Johanns Geburtsort Florenz, dazu kommt der Harald-Kaufmann-Saal zum Park hin. Der Meranpark davor wurde 2018 nach historischen Plänen wiederhergestellt.
Das MUMUTH in der Lichtenfelsgasse 14 ist das Gegenstück: Es ging aus einem internationalen Wettbewerb hervor, den der niederländische Architekt Ben van Berkel gewann, wurde nach drei Jahren Bauzeit 2009 eröffnet und besteht aus Stahl, Beton und Glas in wechselnden Überlagerungen. 2010 bekam es den Fischer-von-Erlach-Preis und einen Urban Land Institute Award. Im Zentrum liegt der György-Ligeti-Saal, benannt nach dem KUG-Ehrenmitglied, mit variabler Akustik und einem vollständig flexiblen Bestuhlungssystem - weshalb dort in der Redoutenacht getanzt werden kann, wo sonst Opern laufen.
Was das T.i.P. ist
Neben MUMUTH und Palais Meran taucht im Programm regelmäßig das Theater im Palais auf, kurz T.i.P. Es liegt in der Leonhardstraße 19, also direkt neben dem Palais, und ist im Normalbetrieb die Spielstätte des Schauspiels an der KUG. In der Redoutenacht laufen dort meist die kammermusikalischen und szenischen Programmpunkte: 2024 Barock, Streicherensembles und Vintage Swing, 2023 Kammerorchester, Operette und experimentelle Formate.
Zum Campus gehören noch weitere Adressen, die an diesem Abend aber nicht bespielt werden - das Jazzinstitut in der Moserhofgasse, das Institut für Elektronische Musik und Akustik in der Inffeldgasse, die Kirchenmusik im Palais Schwarzenberg und das 2022 wiedereröffnete Brandhof 21.
Die Universität dahinter
Die KUG ist älter, als die meisten annehmen. Ihre Wurzel ist der 1815 gegründete Akademische Musikverein, der ein Jahr später eine Singschule eröffnete - laut Universität das älteste Musikinstitut Österreichs. Ab 1819 stand Erzherzog Johann als Protektor dahinter. Die Stationen danach:
| Jahr | Schritt |
|---|---|
| 1816 | Singschule des Akademischen Musikvereins |
| 1920 | Titel „Konservatorium" |
| 1963 | Akademie für Musik und darstellende Kunst in Graz |
| 1998/99 | Umwandlung der Musikakademien in Universitäten |
Heute studieren laut KUG rund 2.400 Menschen aus 73 Nationen an 17 Instituten. Mit fast 1.000 Veranstaltungen pro Jahr ist die Universität der größte Kulturveranstalter der Steiermark - die Redoute ist davon eine einzige Nacht, aber die, in der alles gleichzeitig passiert. Wer die Grazer Hochschullandschaft insgesamt einordnen will, findet sie im Überblick der Grazer Universitäten.
Anreise
Die drei Häuser des Ballabends liegen nebeneinander:
| Haus | Adresse |
|---|---|
| Palais Meran | Leonhardstraße 15 |
| Theater im Palais | Leonhardstraße 19 |
| MUMUTH | Lichtenfelsgasse 14 |
Die Straßenbahnlinien 1 und 7 fahren vom Hauptbahnhof bis zur Haltestelle Lichtenfelsgasse/Kunstuniversität, von dort sind es wenige Schritte. Vom Flughafen führt der Weg mit dem Bus 630 zum Hauptbahnhof und dann in die Straßenbahn. Die Anreisehinweise für alle KUG-Standorte stehen auf der Anreiseseite der Universität.
Weil die Redoute im Juni stattfindet und der Campus mit Park und Festzelt teilweise im Freien bespielt wird, ist sie der einzige Grazer Ballabend, bei dem das Wetter eine Rolle spielt. Alle übrigen Termine der Saison stehen im Ballkalender für Graz.