GRAZ JOURNAL

La Strada Graz: Straßenkunst, Neuer Zirkus und 83 Vorstellungen ohne Eintritt

Neun Tage im Hochsommer, 101 Vorstellungen, die meisten davon gratis auf Plätzen und in Parks. La Strada gibt es seit 1998, eröffnet wird immer in der Oper.

· 8 Min. Lesezeit · Von
La Strada Graz: Straßenkunst, Neuer Zirkus und 83 Vorstellungen ohne Eintritt

Das Festival auf einen Blick

La Strada ist das Grazer Festival für Straßenkunst, Figurentheater, Neuen Zirkus und Community Art. Es dauert neun Tage und liegt im Hochsommer, 2026 von 31. Juli bis 8. August. Die Termine für 2027 hat das Festival noch nicht veröffentlicht, Informationen zu Tickets gibt es laut Ticketseite ab dem Frühjahr 2027.

La Strada 2026Zahl
Festivaltage9
Vorstellungen101
davon ohne Eintritt83
Produktionen21, davon 8 Eigen- und Koproduktionen
Künstlerinnen und Künstler145 aus 12 Ländern
Spielorte16 in Graz, Gratkorn, Kalsdorf und Seggau

Die Zahlen stammen aus der Programmpräsentation, über die MeinBezirk berichtet hat. Umgerechnet heißt das: Mehr als vier von fünf Vorstellungen kosten nichts, im Schnitt gab es elf Termine pro Tag. Intendant ist Werner Johannes Schrempf, das Festivalbüro liegt am Opernring 12.

Was gratis ist und was etwas kostet

Das Grundprinzip von La Strada ist der öffentliche Raum. Die Gratisvorstellungen finden auf Plätzen, in Parks und Innenhöfen statt, man stellt sich dazu und schaut. 2026 spielten etwa die Franzosen von Le doux supplice am Karmeliterplatz, eine Verbindung aus Akrobatik und asiatischer Kampfkunst, Walk-Acts zogen durch die Innenstadt, und Figurentheater für Kinder ab vier Jahren gastierte auch in den Stadtteilen, etwa im Murpark.

Bezahlt wird für die Vorstellungen in Theatern und im Zirkuszelt. Laut Graz.net lagen die Preise 2026 so:

Vorstellung 2026OrtPreisermäßigt
Eröffnung: Möbius, Collectif XYOper Graz46 bis 79 €23 bis 39,50 €
Da Capo, Circus RonaldoZirkuszelt in Reininghaus39 €33 €
SCUSENext Liberty25 €20 €
A Moment's NoticeBotanischer Garten9 €6 €
AbendkonzerteMinoritenhof15 €-

Eine Familie mit zwei Kindern, die nur die Gratisvorstellungen besucht, zahlt für neun Festivaltage also nichts. Wer die Eröffnung in der Oper in der teuersten Kategorie sehen will, ist zu zweit mit 158 Euro dabei. Dazwischen liegt viel Spielraum, und das ist Absicht.

Die Oper als Auftakt

La Strada beginnt jedes Jahr mit einer großen Produktion auf der Bühne der Grazer Oper. 2026 zeigte das 19-köpfige französische Collectif XY mit „Möbius" eine Verbindung aus Akrobatik, Tanz und Poesie, inspiriert von den Bewegungsmustern von Vogel- und Fischschwärmen. Die 65 Minuten liefen an drei Abenden, empfohlen ab acht Jahren.

Ein Stammgast des Festivals ist der belgische Circus Ronaldo. Mit „Da Capo" erzählte die Familie im Zirkuszelt in Reininghaus ihre eigene Geschichte über sieben Generationen und 180 Jahre, auch mit Elementen der Commedia dell'arte, 90 Minuten ohne Pause an sieben Abenden. Im Next Liberty spielte Frédérique Cournoyer Lessard „SCUSE", einen Theatermonolog mit Akrobatik am Luftring, auf Englisch und ab zwölf Jahren. Im Minoritenhof gab es tagsüber Programm für Kinder und abends vier Konzerte.

Teil:haben: das Publikum spielt mit

2026 stand unter dem Leitmotiv „teil:haben", und das war wörtlich gemeint. Bei „Graz on the Move" von Johannes Bellinkx und Benjamin Vandewalle legten sich Teilnehmende in Workshops auf den Boden und bildeten eine langsame Choreografie im öffentlichen Raum. Der Niederländer Nick Steur brachte bei „Care to carry" jeweils 15 Teilnehmenden bei, Steine auf dem Kopf durch die Stadt zu balancieren. Am Freiheitsplatz musizierte das Publikum mit der Compagnie du Coin, und die Gruppe Zwermers entwickelte mit der Caritas Steiermark aus Kleidung aus Altkleidercontainern ein textiles Stadtporträt.

Ein Projekt reicht weit über Graz hinaus: „Signal vom Dachstein" läuft seit 2021 rund um den Dachsteingletscher. 2026 kam es als Ausstellung ins Atelier Jungwirth, die dänische Künstlerin Nana Francisca Schottländer ließ dafür mit Freiwilligen auf einer zweitägigen Hochgebirgswanderung Steine ins Tal tragen. Die Konzertreihe „Dachsteinklang" folgte von 13. bis 16. August. Wer mitmachen will, findet die Aufrufe auf der Seite zum Teilhaben, meist mit Anmeldung und begrenzten Plätzen.

Weniger Vorstellungen, mehr davon gratis

Ein Vergleich mit 2018 zeigt, wie sich das Festival verändert hat. Damals zog La Strada laut ORF Steiermark rund 100.000 Besucherinnen und Besucher an:

Kennzahl20182026
Vorstellungenmehr als 120101
Anteil ohne Eintrittrund drei Viertel82 Prozent
verkaufte Tickets10.500nicht veröffentlicht
Besucherrund 100.000nicht veröffentlicht

Das Festival ist kleiner geworden, der Gratisanteil aber gestiegen. Beim Club La Strada verweist das Festival selbst auf die budgetären Einschränkungen bei den Kulturförderungen, die gerade die freie Szene treffen. Eine Gesamtbesucherzahl für 2026 hat La Strada bisher nicht genannt.

Club La Strada: was eine Mitgliedschaft bringt

Wer das Festival direkt unterstützen will, kann Mitglied im Club La Strada werden. Es gibt drei Stufen:

Stufepro Jahrpro MonatVorteile
Spezi56,40 €4,70 €Club-Card, Goodie-Package, Hintergrundinfos, ausgewählte Club-Specials
Gspusi112,80 €9,40 €dazu Meet and Greets, freier Eintritt zu den vier Abendkonzerten im Minoritenhof, 10 Prozent auf den Cirque Noël
Fix Zam338,40 €28,20 €dazu Einladung zur Eröffnung in der Oper für zwei Personen, 2 für 1 beim Cirque Noël

Beim Gspusi lässt sich gegenrechnen: Die vier Minoritenhof-Konzerte zu je 15 Euro kosten 60 Euro, dazu kommt der Rabatt im Winter. Ganz decken sich Beitrag und Gegenwert nicht, gedacht ist die Mitgliedschaft ohnehin als Unterstützung.

Seit 1998

La Strada gibt es seit 1998, das Festival nähert sich damit seinem 30. Geburtstag. 2003 initiierte es gemeinsam mit Lieux Publics aus Marseille das europäische Netzwerk IN SITU für Kunst im öffentlichen Raum, das heute rund 20 Partner in mehr als 20 Ländern verbindet und seit der Gründung von der Europäischen Kommission gefördert wird. Neben Graz spielt das Festival auch in der Steiermark, Festivaltage in Stainz, Weiz und Seggauberg haben laut Veranstalter Tradition.

Dieselben Leute machen im Winter den Cirque Noël, das Festival für Neuen Zirkus rund um den Jahreswechsel, mehr dazu im Beitrag zum Cirque Noël. Was im Grazer Sommer sonst läuft, steht in der Übersicht zum Sommer in Graz.

Mehr aus Kultur