GRAZ JOURNAL

Schauspielhaus Graz: Vier Spielstätten in einem Biedermeierbau

Große Bühne, Schauraum, Konsole und Salon unter einem Dach in der Hofgasse. Was Karten kosten, warum Erstsemestrige einen Euro zahlen und wie das Haus zwölf Jahre lang geschlossen war.

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Schauspielhaus Graz: Vier Spielstätten in einem Biedermeierbau

Vier Räume, vier Handschriften

Das Schauspielhaus in der Hofgasse 11 ist kein einzelner Theatersaal, sondern ein Haus mit vier voneinander unabhängigen Spielorten. Wer eine Karte kauft, sollte deshalb zuerst schauen, welcher Raum draufsteht - das entscheidet über Preis, Publikumsgröße und Art des Abends mehr als der Stücktitel.

SpielstätteCharakterPreis 2026/27
Schauspielhaus (große Bühne)Klassischer Logenzuschauerraum, sieben Preiskategorien6,50 bis 97,00 €
SchauraumZweite Bühne, wandelbar, Einheitspreis22,00 €, ermäßigt 11,00 €
KonsoleDritte Bühne, digital und experimentell12,00 €, ermäßigt 8,50 €
SalonBegegnungsraum im ersten Rang, Gesprächsformateje nach Format, oft frei

Auf der großen Bühne liegt der Schwerpunkt auf österreichischer Dramatik - Elfriede Jelinek, Johann Nestroy, Werner Schwab, Maria Lazar, Thomas Köck und Tonio Schachinger - kombiniert mit einer bewussten Befragung des klassischen Kanons und der Wiederentdeckung vergessener Dramen, oft von Autorinnen.

Der Schauraum wird regelmäßig baulich umgestaltet. In der Spielzeit 2023/24 machte ihn Bühnenbildnerin Franziska Bornkamm gemeinsam mit Eva Seiler zu einem Ort, der neben der Vorstellung zum Verweilen einlädt. In der Konsole arbeitet das Künstlerkollektiv F. Wiesel mit Hanke Wilsmann und Jost von Harleßem daran, den analogen Theaterraum um digitale Spielarten zu erweitern - mit offenen Laboren, Spieleabenden und Formaten, in denen Avatare und Chatbots auftreten.

Der Salon im ersten Rang ist kein Bühnenraum, sondern ein Gesprächsformat: Einführungen vor der Vorstellung, das „Salon-Achterl" mit Produktionsbeteiligten, Salonseminare mit geladenen Fachleuten. Einmal im Monat übergibt das Haus den Raum beim „Offenen Salon" an Personen und Institutionen der Stadt. Die Beschreibungen aller vier Räume stehen auf der Seite zu den Spielstätten.

Was die Karten kosten

Die große Bühne arbeitet mit sieben Kategorien, und die Spanne ist beträchtlich. Für die Spielzeit 2026/27 gelten diese Preise:

KategorieVollpreisErmäßigt
Kategorie 145,50 bis 97,00 €22,75 bis 48,50 €
Kategorie 239,00 bis 79,00 €19,50 bis 39,50 €
Kategorie 330,00 bis 61,00 €15,00 bis 30,50 €
Kategorie 422,00 bis 44,00 €11,00 bis 22,00 €
Kategorie 511,00 bis 32,00 €5,50 bis 16,00 €
Kategorie 66,50 bis 15,00 €3,25 bis 7,50 €
Kategorie 7 und Rollstuhlplätze6,50 bis 15,00 €3,25 bis 7,50 €

Praktisch heißt das: Ein Theaterabend im Schauspielhaus ist ab 6,50 Euro möglich, ermäßigt ab 3,25 Euro. Der oft zitierte Preis von 97 Euro betrifft die beste Kategorie bei den teuersten Produktionen.

Die Ermäßigungen, die sich wirklich lohnen

Das Haus hat ein ungewöhnlich dichtes Rabattsystem, und einige Angebote sind so günstig, dass sie in Grazer Studierendenkreisen längst bekannt sind:

  • 1 Euro für Erstsemestrige. Studierende im ersten Semester besuchen eine Vorstellung auf der großen Bühne um einen Euro. Das Angebot gilt für 1.000 Personen pro Semester, im Sommer- wie im Wintersemester.
  • 6-Euro-Tickets. Ab 30 Minuten vor Vorstellungsbeginn bekommen Jugendliche bis 19, Schülerinnen und Schüler, Studierende, Lehrlinge sowie Präsenz- und Zivildiener unter 27 Restkarten der besten noch verfügbaren Kategorie um 6 Euro.
  • 50 Prozent im Vorverkauf für dieselbe Gruppe sowie für Menschen mit Behinderung, auf Einzelkarten und Abos.
  • Supertag: einmal pro Monat 30 Prozent Nachlass in den Kategorien 1 bis 4 und im Schauraum, ausgewiesen im Monatsspielplan.
  • Schulklassen zahlen 16 Euro pro Karte in den Kategorien 1 bis 3, eine Lehrperson kommt gratis mit, ab 16 Schülerinnen und Schülern eine zweite.
  • Bühnen Graz Card: 70 Euro Jahresgebühr, dafür 30 Prozent auf Eigenproduktionen der Hauptbühnen von Oper und Schauspielhaus.
  • Gruppen ab 20 Personen erhalten 20 Prozent, ab 21 Personen zusätzlich eine Freikarte, ab 42 zwei und ab 63 drei.
  • Kulturpass „Hunger auf Kunst und Kultur": Eintritt gratis an der Abendkassa.

Ausgenommen sind jeweils Premieren, Gastspiele, Silvester- und Sonderveranstaltungen. Die vollständigen Bedingungen stehen auf der Preisseite des Hauses. Was ein Studium in Graz sonst kostet, steht im Beitrag zu den Studienkosten in Graz.

Wo Sie die Karten bekommen

Drei Wege führen zur Karte, und sie haben unterschiedliche Öffnungszeiten:

  • Ticketzentrum, Kaiser-Josef-Platz 10: Montag bis Freitag 9 bis 18 Uhr, Samstag 9 bis 13 Uhr.
  • Theaterkassa im Foyer des Schauspielhauses, Hofgasse 11: Montag bis Freitag 9 bis 13 Uhr.
  • Abendkassa: für Schauspielhaus und Konsole im Foyer beim Eingang Hofgasse, für den Schauraum in der Kantine im ersten Stock beim Bühneneingang Hofgasse.

Der Verkauf an der Abendkassa startet 60 Minuten vor Vorstellungsbeginn im Schauspielhaus und 30 Minuten vorher im Schauraum und in der Konsole. Neue Termine gehen jeweils am 15. eines Monats für den übernächsten Monat online.

Abos: fix, flexibel oder gemischt

Das Haus unterscheidet drei Abo-Systeme, die sich in Bindung und Rabatt unterscheiden:

  • Fixplatz-Abo: ein persönlicher Sitzplatz für die gesamte Spielzeit, neun Vorstellungen samt Stückeinführungen, mindestens 20 Prozent Ermäßigung. Varianten sind das Premieren-Abo mit neun Premieren und zwei Freikarten für Schauraum oder Konsole, das Wochentags-Abo sowie Mischformen mit der Oper Graz.
  • Scheck-Abo: drei oder sechs frei einlösbare Gutscheine ohne feste Termine, mindestens 10 Prozent Ermäßigung. Neu ist ein Theater-Kino-Abo mit je drei Gutscheinen für Bühne und Kino, inklusive Popcorn.
  • Wahl-Abo: seit 2026/27 neu, entweder als 3+3-Abo mit drei fixen und drei selbst gewählten Vorstellungen oder als Schauraum-Abo mit vier flexiblen Terminen und freier Platzwahl, jeweils mindestens 20 Prozent Ermäßigung.

In der Spielzeit 2026/27 stehen drei Uraufführungen, zwei deutschsprachige und vier österreichische Erstaufführungen auf dem Programm. Das Mini-Abo mit drei Gutscheinen ist nur in zwei Zeitfenstern erhältlich: von 7. bis 26. September 2026 und von 20. November bis 23. Dezember 2026.

Theater für Menschen mit Sehbeeinträchtigung

An vier Terminen pro Spielzeit läuft eine Live-Audiodeskription: Eine Sprecherin beschreibt am Mikrofon, was zwischen den Dialogen auf der Bühne passiert. Übertragen wird über Radiofrequenz - nötig sind nur ein Radio, MP3-Player oder Handy mit Radioempfang plus Kopfhörer, Leihgeräte gibt es im Haus.

Eine Stunde vor der Vorstellung findet zusätzlich eine taktile Einführung im Foyer statt, bei der ein Bühnenbildmodell, Kostümteile und Requisiten ertastet werden können. In der Spielzeit 2026/27 sind dafür vier Termine angesetzt: „Werther & Lotte & Albert" nach Goethe am 31. Jänner und 25. Februar 2027 sowie der Liederabend „Voyager Golden Records" am 6. und 11. Juni 2027. Die Anmeldung läuft direkt beim Kartenkauf im Ticketzentrum, Assistenzhunde sind ausdrücklich willkommen.

Das Gebäude

Der Bau in der Hofgasse ist der bedeutendste Biedermeierbau der Grazer Altstadt. Er entstand nach dem Brand des barocken Vorgängertheaters 1823/24 nach einem Entwurf von Pietro Nobile, dem Architekten, der auch das Äußere Burgtor in Wien gestaltete.

Zwei Details lohnen den Blick von außen: Die Eingangsfront zur Hofgasse zeigt zweigeschossige Arkaden mit Attika. Auf der Seite zum Freiheitsplatz sitzt ein klassizistischer Altan, und dort hängt noch das Wappen der ständischen Verordneten vom ersten, barocken Theaterbau - das älteste sichtbare Stück des Hauses, das den Brand überstanden hat. Die bauhistorischen Angaben führt das Portal baugeschichte.at zur Adresse Hofgasse 11.

Theater gespielt wird an dieser Stelle allerdings weit länger. Am Freiheitsplatz stand das große Ballhaus, in dem vermutlich schon 1607 die englische Komödiantengruppe um John Green auftrat. Die erste belegte Theateraufführung in Graz fand 1577 im Landhaus statt.

Zwölf Jahre geschlossen

Die dramatischste Episode des Hauses liegt in der Nachkriegszeit. Am 26. Juli 1952 ging nach einer Vorstellung von Grillparzers „Des Meeres und der Liebe Wellen" der damalige Direktor Helmut Ebbs vor den Vorhang und hielt den Nekrolog auf das eigene Haus: Die Schließung war aus baupolizeilichen Gründen angeordnet worden.

Es folgten zwölf Jahre ohne Sprechbühne. Während das Opernhaus den Zweiten Weltkrieg fast unversehrt überstanden hatte, wichen Schauspiel und Kammerspiel in den Rittersaal des Landhauses aus, wo eine Behelfsbühne errichtet wurde. Der entscheidende Anstoß zum Wiederaufbau kam am 22. Jänner 1957 mit der Gründung des „Vereines des Grazer Schauspielhauses" - unter anderem organisierte er eine Straßensammlung, bei der Landeshauptmann, Bürgermeister, Politiker aller Parteien und Schauspieler mit Sammelbüchsen auf den Straßen standen.

Am 14. März 1964 wurde das Haus mit der Uraufführung von Max Mells „Paracelsus und sein Lorbeer" wiedereröffnet. Der Umbau ging auf einen Architektenwettbewerb zurück, den ein Entwurf aus Judenburg gewonnen hatte; das Bühnenhaus wurde dabei neu gebaut, der Zuschauerraum modernisiert. Die Wiedereröffnung schilderte die Wochenzeitung DIE FURCHE damals im Detail.

Die aktuelle Spielzeit

Geleitet wird das Haus von Intendantin Andrea Vilter, Chefdramaturgin ist Anna-Sophia Güther. Die Saison 2026/27 beginnt mit einem Warm-up am 19. September 2026: Parcours um 14 Uhr bei freiem Eintritt, Show um 20 Uhr für 12 Euro und anschließend eine Party bis 2.30 Uhr, ebenfalls gratis.

Die Eröffnungspremiere folgt am 25. September 2026 mit „Die Waffen nieder!" nach dem Roman von Bertha von Suttner als österreichische Erstaufführung, inszeniert von Sandra Strunz. Einen Tag später kommen gleich zwei weitere Premieren: die Uraufführung „ФielfölkaŠtát" von Ewe Benbenek und „Undine geht", ein Solo nach der Erzählung von Ingeborg Bachmann.

Neben dem Spielplan betreibt das Haus einen eigenen Vermittlungsbereich unter dem Namen Outreach, mit Theaterpädagogik, Schulkooperationen und Formaten für Menschen unter 27. Zum Saisonstart lädt es Lehrerinnen und Lehrer am 23. September 2026 um 17.30 Uhr in den Redoutensaal zu einem Theatertreff bei freiem Eintritt - mit Anmeldung. Lehrkräfte bekommen außerdem für jede Inszenierung eine Sichtungskarte um 6 Euro.

Wie sich das Haus in die Grazer Bühnenlandschaft einfügt, steht in der Übersicht der Grazer Theater. Das Schwesterhaus derselben Trägerstruktur ist die Oper Graz, die weiteren Spielstätten der Stadt finden Sie im Überblick der Veranstaltungsorte in Graz.

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