GRAZ JOURNAL

Schloss Eggenberg: Prunkräume, Planetensaal und Park

365 Fenster für die Tage des Jahres, 24 Prunkräume für die Stunden des Tages: Die Residenz der Fürsten Eggenberg ist als Kalender aus Stein gebaut. Mit allen Preisen, Führungszeiten und dem Park.

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Schloss Eggenberg: Prunkräume, Planetensaal und Park

Ein Statthalter baut sich ein Weltmodell

Wer vom Zentrum kommend die Eggenberger Allee entlangfährt, sieht zuerst eine lange Mauer und dann ein Gebäude, das nicht recht nach Graz passen will: vier Ecktürme, ein hoher Mittelturm, eine strenge, fast nüchterne Fassade. Der Bau begann 1625, Bauherr war Hans Ulrich von Eggenberg (1568-1634), kaiserlicher Statthalter der Innerösterreichischen Länder und damit der mächtigste Mann zwischen Wien und der Adria. Entworfen hat die Residenz der Norditaliener Pietro de Pomis, Hofmaler und Architekt, der auch am Mausoleum Kaiser Ferdinands II. gearbeitet hat.

Der Platz war nicht zufällig gewählt. Schon Hans Ulrichs Urgroßvater hatte hier einen Familiensitz errichtet, und Spuren dieses mittelalterlichen Baus stecken bis heute im Schloss - der gotische Kern wurde nicht abgerissen, sondern ummantelt. Der Aufstieg der Familie vom Grazer Kaufmannshaus zum Fürstengeschlecht war rasant und beruhte, wie das Universalmuseum Joanneum es formuliert, auf Wagemut, Klugheit und finanziellem Geschick. Die neue Residenz sollte diesen Aufstieg beglaubigen. Sie ist, mit den Worten der Welterbe-Begründung, politische Architektur: eine gebaute Legitimation für die Herrschaft einer Familie.

Errichtet wurde sie in einer Zeit, in der die alten Gewissheiten reihenweise zerfielen. Kopernikus hatte die Erde aus dem Mittelpunkt des Kosmos geschoben, die Entdeckung neuer Erdteile hatte die Grenzen der bekannten Welt gesprengt, die Reformation hatte die Einheit des Glaubens beendet, und die Kalenderreform von 1582 sorgte noch Jahrzehnte später für Streit darüber, welchen Tag man eigentlich schrieb. Hans Ulrich antwortete darauf mit einem Haus, das die Ordnung, die draußen fehlte, im Inneren behauptet.

365 Fenster, 31 Räume, 24 Stunden

Diese Ordnung ist keine Metapher, sie ist nachzählbar. Die Zahlensymbolik von Schloss Eggenberg gehört zu den konsequentesten, die die europäische Architektur kennt, und das Joanneum legt sie auf seiner Seite „Ein Schloss als Weltmodell" im Detail offen:

  • Das Gebäude hat 365 Außenfenster - einen für jeden Tag des Jahres.
  • Jedes Stockwerk enthält 31 Räume, so viele wie der längste Monat Tage hat. Drei davon liegen genau auf der Mittelachse: Planetensaal, Kapelle und Theater, heute die Schlosskirche. Zieht man sie einzeln ab, bleiben 30, 29 und 28 - alle möglichen Monatslängen.
  • Der Kranz der 24 Prunkräume steht für die Stunden des Tages, 12 auf jeder Seite der Symmetrieachse für die Stunden von Tag und Nacht.
  • Diese 24 Räume haben zusammen 52 Fenster für die Wochen des Jahres. Rechnet man die 8 Fenster des Planetensaals dazu, kommt man auf 60 - Minuten und Sekunden. Auch die Türen der Beletage sind 52 an der Zahl.
  • Im Planetensaal kommen die 7 Wochentage und die 12 Monate hinzu. Die Parkmauer öffnete sich einst in 12 Toren, sieben davon zur Stadt hin.

Dazu kommt die Ausrichtung: Die Ecken des Schlosses zeigen nach den Windrichtungen, sodass die Sonne im Lauf eines Tages jede Fassade einmal beleuchtet. Das Haus funktioniert als riesige Sonnenuhr, die vier Seiten entsprechen Morgen, Mittag, Abend und Nacht. Der Wassergraben trennte die Anlage wie eine Insel vom Rest der Welt, so wie es sich für einen Idealstaat gehört. Und der Aufbau steigt vom Alltäglichen im Erdgeschoß zur Welt der Ideen im obersten Stock.

Die Prunkräume und der Planetensaal

Die Beletage im zweiten Obergeschoß hat ihr Erscheinungsbild bis heute nahezu unverändert behalten. Die 24 Räume tragen originale Ausstattung des 17. und 18. Jahrhunderts, in der sich Barock und Rokoko zu einer Einheit verbunden haben, die man nicht mehr auseinanderdividieren kann und auch nicht soll. Über 500 Deckengemälde aus dem 17. Jahrhundert bilden einen Zyklus, den die Welterbekommission mit „excellent" bewertet hat - Qualität und Umfang der erhaltenen Substanz sind selbst im europäischen Vergleich außergewöhnlich.

Das Zentrum ist der Planetensaal. Der Hofmaler Hans Adam Weissenkircher hat hier zwischen Planeten, Elementen, Sternbildern und Tierkreis ein Bildprogramm entworfen, das die Familie Eggenberg in den Lauf des Kosmos einschreibt. Dazu kommen Räume, die ihre Namen ihrer Ausstattung verdanken: Galeriezimmer, Porzellankabinett, Gartenzimmer, Theaterzimmer.

Wichtig für die Planung: Die Prunkräume sind ausschließlich im Rahmen einer Führung zugänglich. Diese startet Dienstag bis Sonntag und an Feiertagen um 10, 11, 12, 14, 15 und 16 Uhr, dauert rund 50 Minuten und beginnt beim Shop im Schloss. Ab 7 Personen ist eine Gruppenbuchung nötig, individuelle Termine auf Deutsch, Englisch, Italienisch und Französisch lassen sich mit mindestens einer Woche Vorlauf unter +43 316 8017-9560 vereinbaren. Die Teilnehmerzahl pro Führung ist begrenzt, wer erst zur vollen Stunde eintrifft, steht unter Umständen vor einer vollen Gruppe.

Was der Besuch kostet

Die Preise gelten inklusive Führung, ein eigener Führungszuschlag fällt nicht an. Das Ticket berechtigt zusätzlich 24 beziehungsweise 48 Stunden lang zum Eintritt in alle Museen des Joanneums in Graz und der Steiermark, ausgenommen besondere Veranstaltungstage und die Tierwelt Herberstein.

Prunkräume inkl. Führung24 h48 h
Erwachsene20 €26 €
Familie (2 Erwachsene, max. 2 Kinder unter 14)40 €52 €
Kinder und Jugendliche 6 bis 18 Jahre5 €6,50 €
Kinder unter 6 Jahrenfreifrei
Studierende, Lehrlinge, Präsenz- und Zivildiener 19 bis 2510 €13 €
Senioren, Menschen mit Behinderung, Gruppen ab 12 Personen17 €22 €

Deutlich günstiger kommt weg, wer nur in den Park will. Der Eintritt kostet 3 Euro für Erwachsene, 6 Euro für die Familie, 1,50 Euro für Studierende und 50 Cent für Kinder und Jugendliche. Die Park-Jahreskarte liegt bei 20 Euro, ermäßigt bei 10 beziehungsweise 5 Euro. Wer öfter ins Museum geht, fährt mit dem Jahresticket des Joanneums um 32 Euro am besten: Es gilt zwölf Monate lang für alle 20 Museen des Hauses, für Kinder und Jugendliche kostet es 8 Euro, für Studierende bis 25 16 Euro. Alle Tarife und die Sonderregeln stehen auf der Ticketseite von Schloss Eggenberg. Stand August 2026.

Warum im Winter zugesperrt wird

Die Saison für die Prunkräume läuft heuer vom 28. März bis 31. Oktober 2026, jeweils Dienstag bis Sonntag und an Feiertagen von 10 bis 18 Uhr. Danach bleiben sie bis Ostern geschlossen, und zwar seit 1953 nach demselben Muster. Der Grund ist konservatorisch: Geheizt wird nicht, weil Temperatur- und Feuchtigkeitsschwankungen den historischen Oberflächen, den Holzdecken und den Gemälden zusetzen würden. Ein Denkmal, das benützt wird, verbraucht sich - das Joanneum beschreibt den Umgang damit als tägliche Gratwanderung zwischen Bewahren und Benutzen.

Der Park bleibt dagegen das ganze Jahr offen: von 15. März bis 31. Oktober täglich von 8 bis 19 Uhr, in der kalten Jahreshälfte von 8 bis 17 Uhr. Auch die Alte Galerie, das Archäologiemuseum und das Münzkabinett folgen dem Saisonrhythmus des Schlosses und sind von Ende März bis Ende Oktober Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

Der Schlosspark: 18 Hektar, Rosenhügel und Pfauen

Vom barocken Formalgarten mit seinen Broderieparterres und Heckenkarrees sind nur Spuren geblieben. Was heute rund um das Schloss liegt, ist ein Landschaftspark aus der Zeit der Romantik von knapp 18 Hektar, den Jérôme Graf Herberstein ab 1820 im englischen Stil anlegen ließ - als, wie es damals hieß, der Mannigfaltigkeit der Natur nachgebildetes Landschaftsgemälde. Sein Meisterstück begann 1833: der Rosenhügel, Aussichtsberg und Rosengarten in einem.

Dazu kommen mehrere kleinere Gartenräume, die jeweils eine eigene Geschichte haben. Der Planetengarten in der Nordecke war nacheinander barocker Küchengarten, Handelsgärtnerei, Gemüsegarten und Baumschule, ehe Helga Tornquist ihn 1999/2000 neu formte. Das Herrschaftsgartel hinter dem Schloss geht auf Obergärtner Friedrich Wägener nach 1848 zurück. Vor dem Südpavillon, der ab 1860 als Sommerwohnung vermietet wurde, liegt ein Biedermeier-Blumengärtchen, und im Obstgarten reifen seit 2016 wieder historische Apfelsorten. Der alte Baumbestand macht die Anlage zu einem der wertvollsten Gartendenkmale des Landes, wie das Joanneum in seiner Übersicht zu Schlosspark und Gärten darlegt.

Die bekanntesten Bewohner sind die frei laufenden Pfauen, überwiegend blaue, ein paar weiße darunter. Sie sind auch der Grund, warum die Parkordnung strenger ist als in anderen Grazer Grünflächen: Hunde dürfen nicht mit (ausgenommen Assistenzhunde), Rasenflächen und Beete sind bis auf das gekennzeichnete Picknick-Areal tabu, Fahrräder, Roller und Skateboards bleiben draußen, geraucht wird nicht. Wer mit Hund unterwegs ist, findet in unserer Übersicht der Grazer Parks passendere Ziele.

Drei weitere Museen im selben Haus

Ein Eggenberg-Ticket öffnet mehr als die Beletage. Im Schloss sitzen drei Sammlungen des Joanneums, die jede für sich einen eigenen Besuch tragen:

Die Alte Galerie zeigt in 22 Themenräumen die bedeutendste Sammlung Alter Meister der Steiermark, 600 Jahre europäische Kunst von der Gotik bis zum ausgehenden Barock, mit Werken von Lucas Cranach dem Älteren, Jan Brueghel dem Älteren, Bartholomäus Spranger, Johann Georg Platzer und Kremser Schmidt. Bis 31. Oktober 2026 läuft dort die Präsentation dreier Stillleben von Pieter Claesz, ein gemeinsames Projekt mit dem Kunsthistorischen Museum und dem Kunstmuseum Winterthur.

Das Archäologiemuseum zeigt mehr als 1.200 Objekte, darunter zwei Stücke von Weltrang aus der Hallstattzeit: den Kultwagen von Strettweg und die Maske von Kleinklein. Das Münzkabinett erzählt die Geldgeschichte der Steiermark von der Antike bis zum Barock, vom Panthertaler bis zum Renaissance-Medaillenkleinod Erzherzog Karls II. Wer die anderen Häuser der Stadt dazunehmen will, findet sie in unserer Übersicht der Museen in Graz.

Der Planetensaal ist außerdem Konzertsaal. Die styriarte bespielt ihn jeden Sommer, was auch der Grund dafür ist, dass an einzelnen Konzerttagen weniger Führungen stattfinden als sonst - im September 2026 etwa entfallen an mehreren Tagen die 14-Uhr-Termine. Ein Blick in den Kalender des Hauses vor der Anfahrt erspart Ärger.

Anfahrt, Parken, Barrierefreiheit

Die Adresse lautet Eggenberger Allee 90, 8020 Graz. Mit den Öffis führt die Straßenbahnlinie 1 direkt zur Haltestelle Schloss Eggenberg, von dort sind es rund fünf Minuten zu Fuß bis zum Parkeingang; ergänzend fahren die Buslinien 33, 33E und 62 in den Bezirk. Vom Hauptbahnhof aus ist man in gut einer Viertelstunde da, was Eggenberg zu einem der bequemsten Ziele der Stadt macht - mehr zu Tickets und Takt steht in unserem Öffi-Guide für Graz.

Mit dem Auto ist die Lage weniger komfortabel: Auf der Straße gilt Kurzparkzone mit Ticketpflicht, kostenlos steht man für die Dauer des Museumsbesuchs beim Parkplatz der Erlebnisbrauerei Rudolf. Wer den Weg über den Parkeingang nimmt, findet dort eine Glocke, die das Tor automatisch öffnet. Die Wege im Park sind leicht geschottert, aber mit Rollstuhl befahrbar; im Schloss selbst ist der historische Bodenbelag stellenweise mühsam, Rollstühle werden bei Bedarf kostenlos ausgeborgt.

Welterbe seit 2010

Am 1. August 2010 erweiterte das UNESCO-Welterbekomitee die bestehende Stätte „Graz - Historisches Zentrum" um Schloss Eggenberg. Die Begründung führt die Kriterien (ii) und (iv) an: Altstadt und Schloss seien das Spiegelbild einer jahrhundertelangen Verbindung künstlerischer und architektonischer Bewegungen aus dem deutschen und mediterranen Raum und vom Balkan. Seither gehört die Anlage samt Pufferzone zum Welterbe, und die Weltkulturerbe-Koordinationsstelle in der Grazer Stadtbaudirektion wacht gemeinsam mit dem Joanneum über den Managementplan. Die Stadt Graz hat die Eckdaten dazu auf ihrer Seite zum Welterbe Schloss Eggenberg zusammengefasst; wie Graz überhaupt auf die Liste kam, steht in unserem Beitrag zum UNESCO-Welterbe seit 1999.

Einmal im Jahr, am österreichweiten Welterbetag am 18. April, gibt es in Eggenberg ein eigenes Programm. Wer die Prunkräume zum ersten Mal sehen will, sollte den Termin vormerken - und sonst einen Vormittag unter der Woche wählen, wenn die Führungen kleiner sind. Weitere lohnende Ziele in der Stadt stehen in unserer Übersicht der Sehenswürdigkeiten in Graz, die Vorgeschichte der Fürstenfamilie in der Geschichte von Graz.

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