Kärntnerball in Graz: Offenes Singen, 24 Euro Eintritt und ein Chor aus dem Jahr 1975
Der 48. Kärntnerball steigt am 14. November 2026 in der Seifenfabrik. Er ist der günstigste Ball der Grazer Saison, und er beginnt nicht mit einer Polonaise, sondern damit, dass rund 1.000 Leute gemeinsam singen.
Der Ball auf einen Blick
| Was | Angabe |
|---|---|
| Termin | Samstag, 14. November 2026 |
| Ausgabe | der 48. Kärntnerball |
| Ort | Seifenfabrik, Angergasse 43, 8010 Graz |
| Beginn | 19.30 Uhr mit dem Offenen Singen |
| Eintritt | 24 € |
| Vorverkauf | Chormitglieder und Onlineshop, am Balltag bis 14.45 Uhr |
| Gäste | rund 1.000 |
| Kleidung | Dirndl und Lederhose |
| Veranstalter | Chor der Kärntner in Graz |
Stand September 2026. Termin, Preis und Vorverkaufsende stehen auf der Ballseite des Vereins.
Der Abend beginnt mit dem Singen
Bei den meisten Grazer Bällen ist der erste Programmpunkt eine Polonaise. Hier ist es ein Offenes Singen um 19.30 Uhr: Der Chor stimmt an, der Saal singt mit. Das ist kein Vorprogramm, sondern der Grund, warum viele kommen - und es erklärt, warum die Seifenfabrik an diesem Abend anders klingt als bei jedem anderen Ball des Jahres.
Danach übernehmen Tanzmusik und Bar, gefeiert wird bis in die Morgenstunden. Das Motto des Abends lautet seit Jahren „Kärnten trifft Steiermark", und es ist wörtlich zu nehmen: Der Ball versammelt Kärntnerinnen und Kärntner, die in Graz studieren oder arbeiten, und alle, die mitsingen wollen.
Was ein Kärntnerlied ausmacht
Wer zum ersten Mal dabei ist, merkt schnell, dass hier anders gesungen wird als im gewohnten Chorsatz. Das Kärntnerlied ist laut dem Österreichischen Musiklexikon ein Sammelbegriff für dialektgebundene Liedformen aus Kärnten, meist vier- bis fünfstimmig und improvisierend gesetzt. Die Besonderheit liegt im Stimmenaufbau: Die Hauptmelodie liegt nicht oben, sondern in der Mitte beim Vorsänger, darüber liegt der Überschlag, darunter der Bass, dazwischen füllen zwei Quintstimmen den Klang.
Dazu kommen die Verzierungen der Melodie mit Durchgangs- und Nebennoten, die als regionales Merkmal gelten, und eine Form aus vier plus zweimal vier Takten, die der Vierzeiler-Strophe entspricht. Gesammelt wurde das Repertoire ab den Jahren 1849 bis 1851, als Baron E. von Herbert die erste umfassende Sammlung veröffentlichte; die 14-bändige Gesamtausgabe stammt von Anton Anderluh. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam das sogenannte Neue Kärntnerlied dazu, geschrieben von Dialektdichtern und Komponisten.
Praktisch heißt das für den Ballabend: Wer mitsingt, sucht sich eine Stimme, nicht die Melodie. Und wer nur zuhört, hört einen Satz, der in dieser Form außerhalb Kärntens selten zu hören ist - was wiederum der Grund ist, warum es den Verein überhaupt gibt.
Der günstigste Ball der Saison
Die Karte kostet 24 Euro. Zum Vergleich: Die Eintrittskarte der Opernredoute liegt bei 280 Euro, beim Tuntenball waren es 2026 hundert Euro, beim Bauernbundball 49. Damit ist der Kärntnerball der billigste Gesellschaftsball der Grazer Saison, abgesehen vom Ball der Vielfalt im Mai, der gar keinen Eintritt verlangt.
Verkauft werden die Karten über die Mitglieder des Chors und über den Onlineshop auf der Vereinsseite; Fragen gehen an [email protected]. Ein Detail, das man kennen sollte: Am Balltag endet der Vorverkauf um 14.45 Uhr. Wer später dran ist, muss auf die Abendkasse hoffen.
Der Chor hinter dem Ball
Veranstalter ist der Chor der Kärntner in Graz, und der ist älter als der Ball. Gegründet wurde er 1975 von Kärntner Studierenden, die das Kärntnerlied auch außerhalb der Landesgrenzen pflegen wollten. Heute singen dort nach eigenen Angaben rund 65 Menschen, überwiegend Studierende und beruflich in Graz gebliebene Kärntnerinnen und Kärntner, wobei auch Mitglieder aus anderen Bundesländern willkommen sind. Geprobt wird jeden Donnerstag in der Grillparzerstraße.
Das Repertoire ist breiter, als der Vereinsname vermuten lässt. Es reicht laut Chorbeschreibung vom traditionellen Kärntner- und Volkslied über klassische und geistliche Werke bis zu modernen Popsongs. Zum 50-Jahr-Jubiläum erschien 2025 die CD „Daham", davor „Die Hoffnung håt gwunnan" (2022) und „Die Zeit, schnell tuats vagehn" (2018). Alle Aufnahmen laufen über den Shop des Vereins, die aktuelle CD kostet 20 Euro.
Geleitet wird der Chor von Stefan Gruber, der aus Feldkirchen stammt und in Graz als Apotheker arbeitet; Obmann ist Philipp Assam. Der Chor ist dabei nur ein Teil des Ganzen: Unter dem Dachverband der Kärntner in Graz stehen mehrere Chöre, darunter ein eigener Singkreis. Wer sich für die Grazer Chorlandschaft insgesamt interessiert, findet einen Überblick im Beitrag zur Grazer Musikszene.
Der Verein finanziert sich neben Karten und Tonträgern über Unterstützerpakete, die im Shop 20, 50 und 80 Euro kosten und nach Liedern benannt sind: „Mölltalleitn", „Gernhabn tuat guat" und „Das Leben mit dir".
Die Seifenfabrik als Ballhaus
Der Ball läuft in der Seifenfabrik in der Angergasse 43, einer ehemaligen Fabrik im Bezirk Jakomini, die heute als Veranstaltungszentrum betrieben wird. Das ist für einen Ball eine ungewöhnliche Wahl: Backsteinhallen statt Stuck, Industriearchitektur statt Konzertsaal. Für einen Abend, bei dem gemeinsam gesungen und nicht Walzer getanzt wird, passt das besser als der Congress.
Die Größenordnung passt zum Haus. Die Fachwerkhalle, mit 57,2 Metern Länge der größte Raum, fasst 1.180 Stehplätze oder 530 Gäste beim Bankett; daneben laufen die Markthalle mit 400 Quadratmetern und die Extraktionshalle mit 348 Quadratmetern. Rund 1.000 Ballgäste verteilen sich also auf mehrere Hallen, nicht auf einen einzigen Saal. Wie das Areal seit 1872 vom Düngerwerk zum Veranstaltungszentrum wurde, steht im Porträt des Hauses.
Die Seifenfabrik ist außerdem Schauplatz von zwei Maturabällen der Saison 2026/27, am 23. Oktober und am 28. November. Der Kärntnerball liegt genau dazwischen.
Immer war das nicht so: In einem Porträt des ORF Kärnten über den Chor ist als Ballort noch das Brauhaus Puntigam genannt.
Was der Verein sonst macht
Der Ball ist der gesellschaftliche Höhepunkt, aber nicht der einzige Termin. Über das Jahr verteilt kommen dazu:
| Termin | Was |
|---|---|
| September | Auftritt beim Aufsteirern am Hauptplatz |
| November | Kärntnerball in der Seifenfabrik |
| Dezember | Weihnachtskonzerte in Graz, Heiligenblut und Stainz |
| März | Frühlingserwachen im Minoritensaal |
Die Weihnachtskonzerte im Dezember führen den Chor an drei Orte: Graz, Stainz und Heiligenblut am Fuß des Großglockners - also einmal quer über die Landesgrenze zurück in die Heimat.
Das Frühlingserwachen im Minoritensaal am Mariahilferplatz 3 gibt es seit 2023, es löste die frühere Herbstveranstaltung „Fest der Stimmen" ab. Auf der Bühne stehen dann neben dem Chor Gastmusikerinnen und Gastmusiker, 2026 waren das das Zlaner Quartett und das Trio Nasereit, durch den Abend führte Hans Mosser. Der nächste Termin ist für den 19. März 2027 angekündigt.
Der einzige Gesellschaftsball im November
Im Grazer Ballkalender hat der Termin eine Sonderstellung. Zwischen dem All in One Ball am 3. Oktober und dem Ball der Technik am 29. Jänner ist der Kärntnerball der einzige Gesellschaftsball der Saison - dazwischen gehören die Wochenenden den Maturabällen. Allein am 14. November laufen parallel zwei davon, im Messe Congress und in der Helmut-List-Halle.
Für alle, die einen Ball suchen, ohne in die Kategorie Frack und Abendkleid einzusteigen, ist das die einfachste Gelegenheit des Herbstes: Tracht statt Smoking, 24 statt 280 Euro, und ein Beginn um halb acht statt um neun.
Anreise
Die Seifenfabrik liegt in der Angergasse 43 am linken Murufer, rund zehn Gehminuten südöstlich vom Jakominiplatz. Vom Hauptbahnhof fährt man mit der Straßenbahn bis Jakominiplatz und geht von dort zu Fuß weiter. Anders als beim Congress ist das Parken hier kein Thema: Zum Areal gehören 200 Gratisparkplätze.
Weil der Ball bis in die Morgenstunden läuft, fährt für die Heimfahrt keine Straßenbahn mehr. Es bleiben die Nachtbusse am Wochenende und das Taxi. Alle übrigen Balltermine der Saison samt Verkaufsstarts stehen im Ballkalender für Graz.