Zweites Grazer Sparpaket: Aus für die Altstadtbim, Schloßbergbahn mit eigenem Tarif
Die Grazer Stadtregierung hat ein zweites Paket mit rund 55 Sparmaßnahmen vorgelegt. Die Gratis-Bim in der Altstadt endet mit 1. Jänner 2027, Monatskarten gelten nicht mehr auf der Schloßbergbahn, und Sturm, GAK und 99ers verlieren das Profi-Sponsoring der Holding.
Nach dem ersten Konsolidierungspaket im September legt die Grazer Stadtkoalition aus KPÖ und Grünen nach: Das zweite Paket soll den operativen Saldo 2027 um 20,5 Mio. Euro und 2028 um 23,1 Mio. Euro verbessern. Für Grazerinnen und Grazer am deutlichsten spürbar sind die Einschnitte bei Bim, Schloßbergbahn und Adventfreifahrt.
Altstadtbim, Advent und Schloßbergbahn
- Altstadtbim: Die kostenlose Straßenbahnfahrt in der Innenstadt endet mit 1. Jänner 2027, nach einer einjährigen Evaluierung. Laut ORF spart das bis zu 700.000 Euro. Die Stadt begründet den Schritt mit der stark gestiegenen Zahl an Klimaticket-Besitzern, das Angebot wirke nicht mehr wie vor zehn Jahren. Besucher sollen die Innenstadt stattdessen zu Fuß erkunden und so Geschäfte und Gastronomie beleben. Welche Abschnitte bisher gratis waren, steht im Porträt der Grazer Straßenbahn.
- Adventfreifahrt: Gratis mit Bus und Bim geht es künftig nur noch an drei statt an vier Adventsamstagen.
- Schloßbergbahn: Die Standseilbahn gilt für die Stadt als touristisches Angebot und bekommt einen eigenen Tarif. Bisher reichen dafür die Fahrscheine der Zone 101 bis zum Klimaticket, künftig gelten reguläre Zeitkarten des Verkehrsverbunds dort nicht mehr. Die Stadt verweist auf ähnliche Regelungen in Salzburg, Linz und Innsbruck. Preis und Starttermin hat Finanzstadtrat Manfred Eber (KPÖ) noch nicht genannt. Die aktuellen Tarife stehen im Artikel zum Schloßberg.
- Ressourcenpark: Die langen Samstage bis 20 Uhr im Sommer fallen weg, es bleibt bei Montag bis Samstag von 8 bis 18 Uhr. Alles Weitere zum Müll entsorgen in Graz.
Sturm, GAK und 99ers verlieren das Profi-Sponsoring
Die Holding Graz halbiert ihr Sponsoring ungefähr und spart damit rund eine Million Euro. Für die Profibereiche des SK Sturm, des GAK und der Graz 99ers endet die Unterstützung nach der laufenden Saison. Frauen-, Nachwuchs- und Special-Needs-Teams werden weiter gefördert, das frei werdende Geld soll kleineren und mittleren Vereinen zugutekommen. Wie MeinBezirk bereits vor einer Woche berichtete, ging es zuletzt um kolportierte 500.000 Euro für Sturm, 300.000 für den GAK und 200.000 für die 99ers.
Bildung und Sport bleiben laut Stadt von Kürzungen ausgenommen, beide Budgets steigen um je 1,39 Prozent. Das Sportamt übernimmt zudem die gesamte Abgangsdeckung der Hallen von ASKÖ, ASVÖ und Sportunion. Für die rund 20 Vereine, deren Förderungen wegen der Haushaltssperre ausständig waren, hatte sich die Lage schon Anfang Oktober zugespitzt.
Politik, Personal und Pensionen
- In den Stadtratsbüros wird beim politischen Personal um 400.000 Euro gekürzt, die Klubförderung sinkt um weitere 5 Prozent.
- Die Holding Graz besetzt ein Viertel der frei werdenden Verwaltungsstellen nicht nach, wie es der Magistrat bereits tut.
- Das Jobticket für Magistrat und Holding wird nicht mehr voll bezahlt, sondern durch einen gehaltsabhängigen Zuschuss ersetzt.
- Die Pensionsanpassung des Bundes gilt für pensionierte Grazer Beamte ab 1. Juli 2027.
- Miet- und Pachtverträge der Stadt ohne ausreichenden Nutzen für die Bevölkerung werden geprüft und gekündigt.
Elf Millionen fehlen noch
Gemeinsam mit dem ersten Paket, das unter anderem die höheren Parkgebühren brachte, kommt die Stadt für 2028 auf 54,1 Mio. Euro. Ziel sind 65 Mio. Euro, es fehlen also rund elf Millionen. Am Donnerstag beginnen die Budgetgespräche zwischen Eber und den Mitgliedern der Stadtregierung, geprüft werden dabei auch Vorschläge von NEOS und FPÖ. Bis Mitte 2027 soll die Finanzdirektion außerdem eine Evaluierung der Strukturen im Haus Graz vorlegen. Die gesamte Maßnahmenliste hat die KPÖ Graz veröffentlicht.
Kritik kommt von ÖVP-Stadtrat Kurt Hohensinner. Er wirft KPÖ und Grünen eine falsche Prioritätensetzung vor, vermisst echte Strukturreformen und nennt das Ende des Profi-Sponsorings einen großen Rückschlag. Die Erhöhung des Sportbudgets bezeichnet er als Mogelpackung.