steirischer herbst: Programm, Spielorte und Karten
Das Festival für zeitgenössische Kunst läuft 2026 von 24. September bis 18. Oktober unter dem Titel „Red Flags". Die Hauptausstellung in einem früheren Schnitzellokal am Griesplatz ist gratis.
Die 59. Ausgabe heißt „Red Flags"
Der steirische herbst 2026 läuft von Donnerstag, 24. September, bis Sonntag, 18. Oktober. Das Motto spielt mit einem Begriff, der zwei Karrieren gemacht hat. In Ratgebern und auf Dating-Plattformen steht die rote Fahne für Warnsignale in Beziehungen. In politischen Debatten markiert sie inzwischen jene, die von einer vorgegebenen Linie abweichen. Intendantin Ekaterina Degot macht daraus ein Programm, das Konflikten nicht ausweicht, sondern ihnen Raum gibt.
| Punkt | Angabe |
|---|---|
| Zeitraum | 24. September bis 18. Oktober 2026 |
| Ausgabe | 59., erste Ausgabe 1968 |
| Motto | Red Flags |
| Hauptausstellung | Griesplatz 34, Eintritt frei |
| Öffnungszeiten Ausstellung | Di. bis So. 11.00 bis 19.00 Uhr, Fr. und Sa. bis 22.00 Uhr |
| Performances und herbstkabarett | 20 €, ermäßigt 16 € |
| Kartentelefon | 0316 81 60 70 |
Wer sich unter dem Festival nichts vorstellen kann: Es ist kein Musikfestival und keine Theaterwoche, sondern alles zugleich. Bildende Kunst, Performance, Tanz, Neue Musik, Literatur und Diskussion laufen parallel, fast immer mit Arbeiten, die eigens für Graz entstanden sind. Das Programm mit allen Terminen steht im Kalender des Festivals.
Die Ausstellung im alten Wirtshaus
Das Zentrum liegt heuer am Griesplatz 34, in einem Gebäude aus dem 17. Jahrhundert, in dem zuletzt ein folkloristisches Schnitzellokal untergebracht war. Die Adresse ist Programm. Der Griesplatz liegt am rechten Murufer, auf der Seite der Stadt, die in Graz lange als die schlechtere galt, und der Bezirk Gries ist der mit der größten Vielfalt an Herkunftsländern. Die Künstlerinnen und Künstler haben die Wirtshausräume mit Auftragsarbeiten in begehbare Installationen verwandelt.
Beteiligt sind unter anderem Rawan Almukhtar, Josefin Arnell, Vanessa Baird, Leila Hekmat, Nikolay Karabinovych, Alina Kleytman, Heather Phillipson und Jaro Varga, das Duo Max Höfler und Andreas Unterweger sowie Gabriele Edlbauer mit Julia S. Goodman.
Der Eintritt ist frei, die Arbeiterkammer Steiermark übernimmt die Kosten. An Wochenenden kann ein Zeitfenster nötig sein, das sich online oder vor Ort buchen lässt. Die langen Abende am Freitag und Samstag bis 22 Uhr gelten bis zum Festivalende am 18. Oktober. Die Ausstellung selbst bleibt laut Ankündigung länger stehen, bis 15. November.
Was eine Karte kostet
Die Preise sind für ein Festival dieser Größe niedrig und einfach gehalten. Stand September 2026 nennt die Ticketseite des Festivals:
| Programm | Vollpreis | Ermäßigt |
|---|---|---|
| Performances und herbstkabarett | 20 € | 16 € |
| Ausstellung Griesplatz 34 | frei | frei |
| ORF musikprotokoll, Tagespass 8. Oktober | 22 € | 18 € |
| ORF musikprotokoll, Tagespass 9. und 10. Oktober | 25 € | 20 € |
| Literaturfestival Out of Joint, je Veranstaltung | 10 € | 8 € |
| ORF-Lange Nacht der Museen, 3. Oktober | 19 € | 16 € |
Ermäßigt zahlen Schülerinnen, Schüler und Studierende bis 25, Zivildiener, Seniorinnen und Senioren, Mitglieder des Ö1 Clubs und Menschen mit Behinderung, deren Begleitperson gratis mitkommt. Noch billiger wird es mit Ö1 intro oder dem Kleine Zeitung Club (14 Euro) und für Gruppen ab zwölf Personen (12 Euro). Der Vorteilsklub der Holding Graz bringt beim Einzelkartenkauf eine zweite Karte gratis. Wer einen Kulturpass hat, bekommt im herbstcafé und an den Abendkassen nach Verfügbarkeit eine Freikarte.
Ein Punkt, der Ärger erspart: Umtausch und Rückgabe gibt es nicht, und eine vergessene Ermäßigung lässt sich nachträglich nicht geltend machen. Die Abendkassen öffnen eine Stunde vor Beginn.
Die Eröffnung am 24. September
Eröffnet wird am Donnerstag, 24. September, um 17 Uhr am Karmeliterplatz, bei freiem Zugang. Nach der Rede der Intendantin zeigt der deutsch-britische Künstler Julian Warner „No Surrender: Kampf um die Moderne", eine musikalische Performance in Form eines Wrestling-Kampfes. Verhandelt wird darin der Kulturkampf der Gegenwart, unterhaltsam, aber nicht harmlos, wie es in der Ankündigung heißt. Danach wird am Platz gefeiert.
Um 20.30 Uhr folgt in der Helmut-List-Halle die Tanzperformance „Angelic Conversations" von Alex Baczyński-Jenkins, die Clubkultur, politische Wut, christliche Bildwelten und queere Elemente verbindet. Ab 22 Uhr steigt dort die Eröffnungsparty.
Am Freitag, 25. September, öffnet die Ausstellung am Griesplatz, begleitet von der Tanzperformance „Slamming Unplugged" von Xenia Koghilaki. Die Philosophin Oxana Timofeeva hält die Keynote, und um 20.30 Uhr kommt im Orpheum „Austria Demenzia" von Franz von Strolchen zur Uraufführung.
Termine nach dem Eröffnungswochenende
| Datum | Programm | Ort |
|---|---|---|
| Sa., 26. September, 14.00 Uhr | Daniel Dominguez Teruel: Gloria! Gloria! Gloria! | Hilmteich |
| Di., 29. September, 19.30 Uhr | Sasha Kurmaz: Red Horse | Pfarrkirche St. Andrä |
| Do., 1. Oktober, 19.00 Uhr | Die Rabtaldirndln: Dreschen - Ein Brauchtum | Hoftheater Hainersdorf |
| Sa., 3. Oktober | ORF-Lange Nacht der Museen | mit Festivalbeteiligung |
| So., 4. Oktober, 16.00 Uhr | Francesca Grilli: Record: Graz | Studierendenheim WIST, Wiener Straße |
| Do., 8. Oktober, 18.00 Uhr | steirischer herbst meets manuskripte | Palais Attems |
| Do., 8. Oktober, 19.30 Uhr | branches & bytes, Auftakt musikprotokoll | Dom im Berg |
| Fr., 9. Oktober, 18.00 Uhr | herbst Deathmatches: Florian Klenk gegen Konrad Paul Liessmann, „Die Grenzen des Sagbaren?" | Palais Attems |
| Fr., 9., und Sa., 10. Oktober | musikprotokoll: ORF RSO Wien, Ensemble Zeitfluss, PHACE, Jennifer Walshe, „Enigma" von Beat Furrer | Helmut-List-Halle |
| Sa., 17. Oktober, 20.00 Uhr | Lina Majdalanie und Rabih Mroué: Four Walls and a Roof | Helmut-List-Halle |
| So., 18. Oktober, 20.00 Uhr | Abschlussabend | herbstcafé |
Dazu kommen Performances in der Welschen Kirche am Griesplatz, etwa „Liluli: Allegories of the Western Soul" von Lennart Boyd Schürmann und „Rhododendron" von Stina Fors. Die herbst Deathmatches sind Streitgespräche nach dem Muster eines Schaukampfs: Am 9. Oktober treten Falter-Chefredakteur Florian Klenk und der Philosoph Konrad Paul Liessmann gegeneinander an, das Thema sind die Grenzen des Sagbaren. Der Abend in Hainersdorf zeigt, dass das Festival trotz des Schwerpunkts in Graz ein steirisches bleibt: Das Hoftheater liegt in der Oststeiermark.
Wer sich einen Abend herauspickt und das Festival sonst nicht kennt, ist mit dem 9. Oktober gut bedient. Um 18 Uhr das Streitgespräch im Palais Attems, danach in die Helmut-List-Halle zum musikprotokoll. Das sind zwei Karten, zusammen rund 45 Euro, und ein Querschnitt durch das, was dieses Festival kann.
Die drei Festivals im Festival
Unter dem Dach des steirischen herbst laufen Reihen mit eigener Geschichte und eigenem Publikum.
- Das ORF musikprotokoll ist so alt wie das Festival selbst und widmet sich der Neuen Musik. 2026 findet es von 8. bis 10. Oktober statt, unter anderem im Dom im Berg und in der Helmut-List-Halle. Schon 1968 standen dort Werke von György Ligeti und Ernst Krenek auf dem Programm.
- Out of Joint ist das Literaturfestival im Festival, mit Lesungen und Gesprächen zu zehn Euro pro Abend.
- Das herbstkabarett bringt Kabarettabende ins Programm, 2026 zum Preis von 20 Euro, ermäßigt 16.
1968 im Rittersaal
Der erste steirische herbst wurde am 23. September 1968 im Rittersaal des Grazer Landhauses eröffnet. Die Festrede hielt Hanns Koren, Volkskundler, Landeshauptmannstellvertreter und Kulturreferent, der das Festival erfunden hat. Schirmherr war Landeshauptmann Josef Krainer senior. Schon im Jahr davor hatte das Kulturreferat unter demselben Titel eine Veranstaltungsreihe organisiert.
Neu war das Konzept. Koren wollte kein weiteres Festspiel für ein Genre, sondern eines, das Theater, Musik, bildende Kunst, Literatur und wissenschaftliche Debatte verbindet. Im ersten Jahr brachte das musikprotokoll zehn Konzerte mit Werken von 35 Komponisten, im Forum Stadtpark lief ein Schwerpunkt zu Peter Handke mit „Kaspar" in zwei Fassungen, und die Steirische Akademie diskutierte unter dem Titel „Das Humane und die Manipulation des Menschen", begleitet von kritischen Zwischenrufen der Studierenden. Das Archiv des Festivals dokumentiert jede Ausgabe seither. Seit 1983 hat das Festival künstlerische Leiter mit eigenem Profil, seit 2018 führt es Ekaterina Degot.
Die Zahlen aus 2025
Die 58. Ausgabe zählte über 50.000 Besucherinnen und Besucher an 39 Spielorten bei mehr als 440 Veranstaltungen, die Partnerprogramme eingerechnet. Mehrere der damals entstandenen Produktionen wurden laut Standard nach Deutschland, Schweden und Polen sowie zur Biennale in Venedig 2026 eingeladen.
Anreise zum Griesplatz
Der Griesplatz ist ein Verkehrsknoten der Buslinien am rechten Murufer, vom Jakominiplatz sind es zu Fuß über die Radetzkybrücke rund zehn Minuten. Wer den Ausstellungsbesuch mit den Museen der Stadt verbinden will, findet Häuser und Preise im Museumsführer für Graz. Die übrigen Termine im Oktober, vom Marathon bis Klanglicht, stehen im Kalender für den Oktober.